Schäden am Kfz durch leckende Kälber

Von: Dr.-Ing. Christian Teubert, Kfz-Sachverständiger, Berlin

Gutachten zur Beweiserhebung vor dem AG

1 Auftrag und Zweck des Gutachtens


In dem Rechtsstreit wurde ich vom AG mit der Erstattung eines schriftlichen Gutachtens beauftragt.
Es soll Beweis erhoben werden über die Behauptung der Klägerin, durch die frei herumlaufenden Kälber des Beklagten sind nachfolgende Schäden an ihrem PKW VW Golf entstanden:

− Kotflügel vorn links: Speichelspuren, leichte Lackkratzer
− Motorhaube: Speichelspuren, leichte Verschrammungen an der Lackierung
− Kotflügel vorn rechts: Speichelspuren, leichte Verschrammungen an der Lackierung
− Vordertür rechts: Speichelspuren, leichte Lackkratzer
− Blenden der Fensterstege an der rechten Tür: Speichelspuren, leichte Lackkratzer
− Außenspiegel rechts: Speichelspuren, Lackkratzer
− Blinkleuchte rechter Außenspiegel: leichte Lackkratzer, Verschrammungen 
− Außendichtung Vordertür rechts: Speichelspuren
− Hintertür rechts: Speichelspuren, leichte Oberflächenverschrammungen der Lackierung
− Seitenteil links: leichte Lackkratzer
− Griff Vordertür links: leichte Lackkratzer
− Außenspiegel links: Speichelspuren und leichte Lackkratzer.

2 Sachverhalt

Die Klägerin parkte ihr Fahrzeug nach einem Urlaubsaufenthalt an der Ostsee auf dem Hof ihrer Eltern. Vom Nachbargrundstück gelangten einige ca. vier bis fünf Monate alte Kälber auf den Hof der Eltern und leckten das Fahrzeug ab. Hierbei soll es zu Schäden an der Außenhaut, insbesondere der Lackierung,
gekommen sein.

Die Klägerin beauftragte den Erstsachverständigen mit der Schadensfeststellung an ihrem Fahrzeug. Dieser erstellte sein Schadensgutachten, in dem er Nettoreparaturkosten in Höhe von 1.983,28 € auswies.

Der Beklagte bestreitet, dass die Tiere die Schäden verursacht haben.

Im Auftrag der Tierhalterhaftpflichtversicherung des Beklagten besichtigte der Zweitsachverständige das streitgegenständliche Fahrzeug. In seinem Gutachten stellte er fest, dass das Schadensbild mit dem Schadenshergang nicht kompatibel und nicht plausibel ist.

3 Besichtigung
3.1 Fahrzeug

Auf telefonische Nachfrage teilte mir der Klägervertreter mit, dass das Fahrzeug nach einem Wildunfall einen weiteren Unfall erlitten hatte und beide Schäden repariert wurden, sodass die streitgegenständlichen Schäden mitbeseitigt wurden.

Eine erneute Fahrzeugbesichtigung war daher nicht mehr sinnvoll.

3.1.1 Fahrzeugdaten

Fahrzeugart PKW
Aufbauart Limousine
Fabrikat VW
Typ/Ausführung Golf Goal
Fahrzeug-Ident.-Nr. XXXXXXXXXXXXXXxxx
KBA-Nr. HST/TSN XXXXADM
Erstzulassung xx.xx.2006
Laufleistung 153.463 km
Lackierung orange metallic

3.2 Tiere

Die streitgegenständlichen Tiere, oder deren Nachfolger, habe ich mir auf der Weide des Beklagten, im Beisein des Beklagten, angeschaut. Vorher zeigte mir der Beklagte an seinem Wohnort die Ohrmarken der Tiere.

4 Sachverständige
Ausführungen

4.1 Möglichkeiten der Schadensverursachung

Zunächst kann nicht von vorhinein ausgeschlossen werden, dass die Tiere beim Lecken mit ihren Zungen Lackschäden verursachten. Im Weiteren könnten die Ohrmarken Kratzer im Lack und an anderen Bauteilen verursacht haben und letztendlich wurde von der Klägerin zum mündlichen Verhandlungstermin angegeben, dass die Tiere Sand im Fell hatten und dadurch die Kratzer verursacht wurden.

4.2 Schäden durch die Zungen der Tiere

Ich hatte zunächst angedacht, einen Versuch durchzuführen, bei dem vergleichbare Kälber an einem Versuchsfahrzeug lecken sollten, um die entstehenden Schäden zu beurteilen. Auf eine telefonische Anfrage teilte mir der Beklagtenvertreter mit, dass sein Mandant mit Leckversuchen seiner Kälber nicht einverstanden sei.

Das vollständige Gutachten finden Sie in der Ausgabe 05/2020. 



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