Sattelaufleger – Kompatibilität von Unfallschäden

Von: Bernhard Jaksch, Kfz-Sachverständiger, Bretten

 

An die XXXXXXXX Versicherung AG Abt. Kraftschaden

Gutachten-Nr. XXXXXXXX-XX

1. Auftrag

Gemäß telefonischen Auftrag vom XX.XX.XXXX durch Frau XXXX, XXXXXXXX Versicherung, XXXXXXXX, soll ein Gutachten zur Kompatibilität der Unfallschäden vom XX.XX.XXXX mit dem PKW Fzg.01 XXXX XXXX Typ: Mercedes A 170 CDI L und Fzg. 02 Typ: Sattelauflieger Goldhofer STZ-TL3-32/80 mit Sattelzugmaschine Scania R500 erstellt werden. Für das Gutachten soll das Fzg. 02 s.o. des VN einbezogen werden.

2. Allgemeines

Zur Erstattung des Gutachtens lagen mir folgende Unterlagen vor:

− Schadensgutachten XXXXXXX-XX vom XX.XX.XXXX von mir selbst

− Der Sattelauflieger Goldhofer mit dem amtl. Kennzeichen: XX-X XXX

3. Feststellungen

3.1 Auswertung Gutachten XXXXXXX-XX

Auf Seite 4 und in der Anlage 1 wird verdeutlicht, dass am Fzg. 01 Beschädigungen an der linken Seite hinten in einer Höhe von 32 bis 69 cm über dem Boden verlaufen. Die Schadensbreite beträgt demnach ca. 37 cm.

3.2 Fahrzeugbeschädigungen

3.2.1 Fahrzeug 01: XX-XX XXXX

An dem Fahrzeug ist ein Streifschaden an der linken Seite erkennbar. Die Streifspuren beginnen schmal in der Eckrundung des Stoßfängers links hinten oberhalb der Zierleiste und setzen sich nach unten und vorne fort.

Die Seitenwand links hinten wies ca. 2 cm oberhalb der Stoßfängeroberkante eine kantige Eindellung im Bereich vor der Rückleuchte auf. Lackanriebspuren sind am Stoßfänger links hinten und am Außenspiegelgehäuse erkennbar.

3.3 Fahrzeug 02: XX-XXXX

Das Fahrzeug wurde am XX.XX.XXXX um 10:30 Uhr in der Gewerbestraße auf dem Parkstreifen besichtigt. Die eingeschlagene Fahrgestell-Nr. lautet: XXXXXXXXXXXXXXXXXX. Es handelt sich um einen Tieflader mit einer Fahrzeuglänge von ca. 15,5 m. Mit der Sattelzugmaschine beträgt die Gesamtlänge des Zuges knapp 20 m. Die Besonderheit des hier in Rede stehenden Sattelaufliegers sind die drei zwangsgelenkten Achsen, die entgegen Schwenkrichtung der Zugmaschine lenken. Schwenkt die Zugmaschine nach links, lenken die drei Achsen des Sattelaufliegers nach rechts.

Herr XXXXX gab an, dass er den Außenspiegel von Fzg. 01 mit der Auffahrvorrichtung des Sattelaufliegers rechts hinten beschädigt hat, weil auf der Gegenfahrbahn ein geparkter PKW stand und somit seine Fahrspur verengt war.

Der Sattelauflieger stand wie aus den Lichtbildern erkennbar auf dem Bordstein und somit 4–5 cm über der Fahrbahn.

An dem Fahrzeug waren an der Brückenkonsole vorne rechts, an der vorderen Konsole des Achsaggregates rechts und im Heckbereich rechts Lackschäden erkennbar. Der Deckel des Staukastens hinten rechts war im unteren Bereich wellig verformt und deutlich angerostet. Die Heckträgerkante rechts war im unteren Bereich leicht nach hinten verformt. Der Abstand der Heckträgerkante rechts ist ca. 32 bis 33 cm über der Fahrbahn und die untere Kante des rechten äußeren Längsträgers verläuft im Bereich der Positionsleuchte in einer Höhe von 69 bis 70 cm über der Fahrbahn und fällt nach hinten bis auf eine Höhe von 64–65 cm (Der Bordstein wurde hierbei berücksichtigt). Die Schadenszone beträgt demnach in diesem Bereich ca. 37 cm. Vom Sattelauflieger wurden an der Stauklappe hinten rechts und an der vorderen Konsole des Achsaggregates Lackschichten gesichert.

3.4 Rechnergestützte Prüfung der Kompatibilität von Schadensmerkmalen

Die zu vergleichenden Bilder wurden mittels Grafikprogramm Adobe Photoshop geladen. Das Foto des Sattelaufliegers Fzg. 02 wurde als Arbeitsebene gewählt. Das Foto der A-Klasse wurde in die Arbeitsebene kopiert und auf die gleiche Größe skaliert, weiter wurde die Radaufstandshöhe angeglichen. Durch Ändern der Deckkraft konnten die Schadensstrukturen verglichen werden.

Die Kante des rechten hinteren Längsträges Fzg. 02 in Höhe von ca. 69 cm über der Fahrbahn war mit der kantigen Eindellung an der Seitenwand links von Fzg. 01 deckungsgleich. Die Unterkante des Heckträgers rechts Fzg. 02 war deckungsgleich mit der Unterkante Kratzspuren am Stoßfänger von Fzg. 01.

Der schürfige Kratzer am Stoßfänger hinten links oberhalb der Zierleiste von Fzg. 01 (Bild 6 zeigt den Kratzer im Detail) ist deckungsgleich mit der Unterkante der oberen Scharnierschraube des Staukastens hinten rechts von Fzg. 02.

4. Beurteilung

4.1 Schadensanalyse

Nach dem derzeitigen Informations- und Kenntnisstand lassen sich vonseiten des Sachverständigen folgende Ergebnisse herausstellen:

Die unter 3.2.1 genannten Beschädigungen resultieren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von Fzg. 02.

4.2 Ermittlung der Anstoßkonstellation

Anhand der vorstehenden Schadensanalyse ist festzustellen, dass an der A-Klasse Kontaktspuren links hinten und am Außenspiegel links vorhanden waren, während der Sattelauflieger Goldhofer Beschädigungen im hinteren rechten Eckbereich und an der rechten Seite aufwies.

Die Anstreifrichtung kann aus den Beschädigungen rekonstruiert werden. Wie im Gutachten XXXXXXXX-XX erkennbar, war der Außenspiegel im hinteren Kantenbereich und das Spiegelglas beschädigt. Hieraus kann aus sachverständiger Sicht auf eine Anstreifrichtung von hinten nach vorne am Fzg. 01 geschlossen werden.

 

Das vollständige Gutachten finden Sie in der Ausgabe 02/2021. 



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