E-Scooter aus der Sicht eines Sachverständigen

Von: Frank Drescher

Wenn jede/r dritte Fahrer/-in eines E-Rollers sich bei der ersten Fahrt verletzt, sollte sich ein/e Sachverständige/r um diesen neuen fahrbaren Untersatz kümmern, der momentan so im Trend liegt. Jeder möchte dieses alternative Verkehrsmittel einmal ausprobieren und fühlen, wie man elektrisch  unkompliziert durch die Städte fahren kann. Leider ist das Fahren eines E-Scooters im hiesigen Straßenverkehr nicht ganz ungefährlich und es ist noch nicht eindeutig geklärt, wer sich um E-Scooter und deren Unfälle kümmert bzw. in welchen sachverständigen Zuständigkeitsbereich das neue Verkehrsmittel fällt.

Es ist noch nicht geklärt, in welchen sachverständigen Zuständigkeitsbereich E-Scooter gehören

Kleine Räder, schlechte Infrastruktur mit ungeeigneten Asphaltdecken und Kantsteinen sowie persönliche Überschätzung und unsachgemäße Nutzung sind nur einige Beispiele für Unfallursachen.

Lenken, Bremsen und Abbiegen auf E-Scootern unterscheiden sich in der Handhabung erheblich von dem eines Fahrrades und müssen somit erst erlernt werden. Doch wer ist nun dafür zuständig?

Zurzeit setzt jeder auf Rücksicht und Vorsicht. Eine Helmpflicht ist zwar mehr als nur empfehlenswert, aber momentan noch nicht in Sicht, da dadurch der unkomplizierte, spontane Umgang mit dem Fortbewegungsmittel verloren ginge und das, obwohl fast jeder zweite Unfall mit einer Kopfverletzung endet. Das Neue und Wendige ist gleichzeitig das Hauptproblem bei E-Scootern: die Bauart und die Funktionsweise eines Elektro-Scooters. Wie bei einem Kinderroller hat der Elektro-Scooter den gleichen Aufbau mit einer Standfläche, zwei kleinen Rädern, einer Lenkerstange, einem Lenker, zwei Bremsen. Das was ihn von dem Kinderfahrzeug unterscheidet, ist der Elektromotor mit dazu passendem Akku.

E-Scooter-Fahrer denken, dass sie die Bewegungsmuster vom Kinderroller her kennen

Das führt dazu, dass jede/r potenzielle E-Scooter-Fahrer/-in denkt, dass ihm/ihr das Bewegungsmuster aus  Kindheitstagen bekannt ist und er/sie das Gefährt sofort beherrschen kann und fährt los.

Was er/sie jedoch nicht bedenkt ist, dass die Geschwindigkeit mit dem Elektro-Scooter bei 20 km/h mit einer schnellen Fahrradfahrt vergleichbar ist und es wird schnell unterschätzt, dass durch die kleineren Räder, wie oben bereits erwähnt, und dem unebenen Untergrund sowie bei einer akuten Bremsung die Gefahr eines Sturzes wesentlich größer ist als auf einem Fahrrad.

Bei der vorgeschriebenen Mindestbremsverzögerung von 3,5m/s² ergibt sich ein Bremsweg von 4,41 m – das ist allerdings sehr optimistisch gerechnet. 

Ich bin selbst mit dem E-Roller durch Lübeck gefahren und fühlte mich dabei sehr oft gefährdet, z.B. wenn Laster und Stadtwerkebusse sehr nah an mir vorbeifuhren. Die Schlaglöcher bieten reichlich Widerstand für die kleinen Räder, sodass man nur mit sehr geringer Geschwindigkeit über den holperigen Asphalt fahren kann, ohne dass man daran hängen bleibt und sich überschlägt. Nutzt man den E-Scooter für Fahrten von der Bahn zur Arbeit beispielsweise, hat man ja auch wenig Spielraum, sich gut asphaltierte Alternativstrecken auszusuchen, sofern es diese überhaupt gibt. Dazu kommt das Problem, bei höherer Geschwindigkeit Handzeichen geben zu können, da man dafür die kurze Lenkstange mit einer Hand loslassen muss und dann das Gefährt mit nur einer Hand steuert. Aufgrund der unterschiedlichen Hebelwirkungen, Vibrationen und fehlenden Dämpfung verlangt dies eine sehr hohe Konzentration und Übung.

Schlaglöcher bieten reichlich Widerstand für die kleinen Räder der E-Scooter

In anderen Städten, wie z.B. St. Diego, konnte ich die Erfahrung sammeln, wie ein Elektro-Scooter sich auf sehr glatt präparierten Strecken und reinen Radwegen fahren lässt und dort ergibt sich ein positiveres Bild. Die oben genannten Faktoren, die sehr ins Gewicht fallen, fallen weg und ermöglichen sichereren Fahrspaß bei höheren Geschwindigkeiten.

Aufgrund dieser Testfahrten bevorzuge ich in den hiesigen Städten doch ein Fahrrad für die täglichen Fahrten durch die Stadt.

Ein E-Roller sollte folgendermaßen ausgestattet sein:

• zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremsen,
• ein Versicherungskennzeichen,
• Geschwindigkeitsbegrenzung auf 20 km/h, eine helle Glocke, Hupe oder Klingel,
• Beleuchtung mit Kennzeichnung und Zulassung, so wie sie auch bei einem Fahrrad vorgeschrieben ist,
• zudem sollte der Fahrer mindestens 16 Jahre alt sein, um das Fahrzeug nutzen zu dürfen.

Eine Betriebsanleitung habe ich am Roller nicht gefunden und wer welches Gutachten schreiben darf, wird die Zukunft zeigen. Für mich persönlich stellen sich da noch viele Fragen, wie z.B. die ehrliche Ökobilanz, Haltbarkeit, Effizienz, Recycling, Infrastruktur, Verkehrsentlastung, Vandalismus, Risiko von Missbrauch, Kosten-Nutzen-Faktor, Flächendeckung, Kombinierbarkeit mit anderen Verkehrsmitteln, sinnvoller Platz in der Mobilitätskette, Umbaumöglichkeiten z.B. größere Laufräder.



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