Der Sachverständige im Spannungsfeld der Interessenlagen

Sachverständigenwesen

Beim Umgang mit Problemen gibt es den großen Unterschied: Man kann sich bemühen, Probleme zu lösen, oder man kann auch versuchen, sie lediglich zu beseitigen. In diesem Sinne wird immer wieder versucht, den Sachverständigen als das Problem zu „beseitigen“, wenn seine Aussagen einer betroffenen Partei nicht passen. Es ist wie bei der Einordnung als „gut oder böse“: „Nur was für meine Interessen förderlich ist, ist gut, was die Durchsetzung meiner Wunschvorstellung behindert, ist deshalb böse.“

Persönliche Angriffe

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass auch der Sachverständige immer wieder „im Schussfeld steht“. Insbesondere, wenn es keine konkreten Sachargumente gibt, wird mit allen Mitteln versucht, die Sachverständigen unannehmbar zu machen. Dann hört oder liest man unsubstanziierte Behauptungen wie: Der Sachverständige hat schlampig gearbeitet, er arbeitet nur die Argumente der Gegenseite ab, er ist mit der Aufgabenstellung überfordert, er ist seinen Pflichten nicht nachgekommen, das Gutachten bzw. seine Leistung ist ungenügend, oder das Gutachten ist in den wesentlichen Teilen unbrauchbar. Gleichzeitig wird damit beantragt, dass der Honoraranspruch des Sachverständigen verfällt.

Solche Angriffe sind meistens nur als taktische Provokation oder Kraftmeierei anzusehen, tatsächlich sind sie auch nur selten die wirkliche Meinung des Angreifers.

Mit unsubstanziierten Attacken kommt man am besten klar, wenn man sie möglichst unkommentiert als „Ansichtssache“ im Raum stehen lässt.

Verstöße gegen die Sorgfaltspflichten

Grundsätzlich kann von einem Sachverständigen erwartet werden, dass er sich vor der Erstattung seines Gutachtens mit der Sachlage ausreichend auseinandergesetzt hat. Das bedeutet aber nicht, dass man vorab zu allen denkbaren technischen Einzelheiten Recherchen durchführen müsste. Wenn so etwas gefordert würde, dann käme man zwangsläufig ins Uferlose. Bei Privatgutachten sollte deshalb bereits unter dem „Auftrag“ ganz konkret stehen, wofür das Gutachten verwendet werden soll und welche Inhalte das Gutachten haben soll. Dazu empfehle ich, den Zusatz anzufügen: „Besondere Untersuchungen sollten nicht vorgenommen werden“. Damit erspart man sich spätere Diskussionen darüber, was man aus Sicht eines Angreifers hätte zusätzlich feststellen müssen.

Je ausführlicher man ein Fahrzeug untersucht, desto mehr Spuren wird man auch finden. Meistens sind es nur die normalen Gebrauchsspuren, die an sehr vielen Fahrzeugen in ähnlicher Weise vorzufinden sind. Bei einem Schadensgutachten kann man davon ausgehen, dass es nicht als „Entscheidungsgrundlage für einen Gebrauchtwagenkauf“ in Auftrag gegeben worden ist. Ohne einen besonderen Anlass muss ein verunfalltes Fahrzeug auch nicht Probe gefahren werden, wenn der Wiederbeschaffungswert festgestellt werden soll. Bekanntlich ist das oftmals ja auch gar nicht möglich.

Allgemein gilt bei der Erstellung eines Gutachtens der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit des Aufwands, welcher auch einen Ermessensspielraum der Sachverständigen enthält. Schließlich ist es die Aufgabe der jeweiligen Fachleute, zu erkennen, was fallbezogen relevant sein könnte. Wenn aus späterer Sicht noch weitere Punkte geklärt werden sollen, dann kann das über einen zusätzlichen Auftrag angefordert werden. Was über das normale Maß hinausgeht, sollte dann aber auch zusätzlich in Rechnung gestellt werden.

Bei den Gerichtsverfahren wird allgemein erwartet, dass die Sachverständigen alle Fragen der Beteiligten sofort klar beantworten können. Doch auch da kann sich niemand auf alle evtl. gestellten Fragen vorbereiten. Insbesondere Fragen zu irgendwelchen Ersatzteilpreisen gehen weit über das hinaus, was mit Sachverstand zu tun hätte. Ein „wildes Schätzen“ von Preisen oder zu sonstigen Angaben der Hersteller wäre nicht sachdienlich und dürfte auch sehr leicht danebengehen.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in Ausgabe 2 / 2021 auf Seite: 24
Christian Hoffmann, Kfz-Sachverständiger, Bad Salzuflen

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