15.12.2014

Ambulant vor Stationär

Von: Gabriele Bobka

Bis zum Jahr 2030 werden in Deutschland statt 81,8 nur noch 78,7 Mio. Menschen leben. Der Anteil der über 65-Jährigen steigt in diesem Zeitraum von 16,9 Mio. (20,6 %) auf 22,2 Mio. (31,7 %), die Zahl der Pflegebedürftigen von 2,5 Mio. auf 3,4 Mio. Menschen. Mit dem Alter steigen spezifische Krankheiten wie Demenz und damit der Bedarf an professioneller Pflege. Das Statistische Bundesamt (Destatis) geht bis zum Jahr 2030 von einem Anstieg der Pflegebedürftigen um 58 % auf 3,4 Mio. aus. Da mehr als 90 % der Senioren einen Verbleib in der eigenen Wohnung wünschen, suchen Ältere zunehmend Alternativen wie betreutes Wohnen, Mehrgenerationenwohnen oder ambulante Wohngemeinschaften. Zudem reagieren immer mehr Wohnungsunternehmen auf die veränderten Nutzerwünsche, indem sie verstärkt Serviceleistungen für Senioren anbieten. Aufgrund der finanziellen Schieflage der Sozialsysteme setzt auch der Staat verstärkt auf die ambulante Versorgung von Pflegebedürftigen, selbst im Bereich demenziell erkrankter Menschen.

Die eigene Wohnung ist für die meisten älteren Menschen die präferierte Wohnform. Auch im Falle einer Pflegebedürftigkeit will die überwiegende Mehrheit ihre gewohnte Umgebung nicht verlassen und setzt auf eine Betreuung durch ambulante Dienste. Mit Blick auf die vom Bundesministerium für Gesundheit herausgegebenen Zahlen wird deulich, dass ein Großteil der Pflege nicht in Heimen oder stationären Einrichtungen stattfindet, sondern in der häuslichen Umgebung von den Angehörigen und ambulanten Diensten erbracht wird. So stehen etwa 1,74 Mio. ambulant versorgten Leistungsbeziehern etwa 740.000 stationär gepflegten Menschen (Stand 31.12.2013) gegenüber. Dabei stehen 12,3 Mrd. € Kosten für die ambulante Plege 10,9 Mrd. € für die stationäre Pflege gegenüber.

Entgegen dem allgemeinen gesellschaftlichen Trend zur Individualisierung entwickeln sich daher zunehmend gemeinschaftsfördernde bzw. generationenübergreifende Wohnformen.
Sie orientieren sich an der Idee eines weitgehend selbstbestimmten Wohnens im Alter, verbunden mit dem Wunsch in der eigenen Wohnung zu bleiben. Ambulant vor Stationär lautet im Hinblick auf die entstehenden Kosten auch die Devise des Staates.

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