14.02.2014

Aberkennung des Titels Kurstadt

Von: Esther Schubert

Auswirkungen auf die Immobilienpreise

Vor kurzem wurde unser Büro von einer Kurstadt beauftragt, eine Expertise zu erstellen, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang sich eine Aberkennung des Titels „Kurstadt“ auf den Immobilienmarkt auswirken bzw. in den Immobilienpreisen niederschlagen würde. Diese spannende Frage zog eine rege Diskussion innerhalb unseres Teams nach sich: Handelt es sich hierbei um eine Art merkantilen Minderwert? Was bedeutet es eigentlich heute noch, eine Kurstadt zu sein? Wie findet man einen nachvollziehbaren Lösungsansatz, der mit Zahlen und Fakten belegt werden kann? Unser Auftraggeber, der Magistrat der betroffenen Stadt, bat um Geheimhaltung, da sich nach seiner Einschätzung allein die Diskussion um eine mögliche Aberkennung nachteilig auf den Immobilienmarkt
auswirken würde. Daher wurde der Name der betroffenen Stadt umbenannt in die fiktive Stadt „Bad Riebow“, da sich das angenehmer liest als „Bad XXXXX“; die größere Nachbarstadt erhielt den fiktiven Namen „Lüderitz“. Einige Zahlen mussten ebenfalls angepasst werden, um aufgrund von Entfernungen und Einwohnerzahlen etc. Rückschlüsse zu erschweren. Dies hat jedoch keine fachliche Bedeutung.

Von den Krankenkassen dürfen ambulante Kuren (seit der Gesundheitsreform 2000 abgelöst durch „medizinische Vorsorge“ bzw. „Rehabilitation“, der Einfachheit halber im Folgenden Kur genannt) nur in Orten verschrieben werden, die die Zertifizierung als staatlich anerkannter Kurort oder Heilbad führen. Die Voraussetzungen hierfür sind u.a. ausreichende medizinische Versorgung, Beherbergungsbetriebe mit ausreichender Bettenkapazität, ausreichende Luftqualität sowie bioklimatisch begünstigte Lage. Treffen diese Voraussetzungen nicht mehr zu, z.B. durch Zunahme von Durchgangsverkehr, Schließung von Hotels und Kliniken o.a., kann der Status „staatlich anerkanntes Heilbad“ aberkannt werden, mit der Folge, dass die Krankenkassen Kuren in dem Ort nicht mehr zahlen bzw. bezuschussen. Für Bad Riebow würde dies bedeuten, dass die Kurgäste nicht mehr zur Wirtschaftskraft des Ortes beitragen würden, sollte die Aberkennung erfolgen. Es muss also untersucht werden, inwiefern sich dies auf den Immobilienmarkt auswirkt.

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