22.03.2021

Statistische Erhebung der Zeitverwendung

Die Bundesregierung hat den Entwurf eines Gesetzes über die statistische Erhebung der Zeitverwendung (Zeitverwendungserhebungsgesetz - ZVEG) vorgelegt.

Mit dem Gesetzentwurf will die Bundesregierung eine gesetzliche Grundlage für die regelmäßig Erhebung statistischer Daten zur Zeitverwendung schaffen.
Seit den 1990er Jahren hat die Bundesregierung in einem Turnus von etwa zehn Jahren Daten zur Zeitverwendung der in Deutschland lebenden Menschen erheben lassen, so der Gesetzentwurf. Durch diese statistischen Erhebungen habe sie wesentliche Erkenntnisse über die Zeitverwendung der Bevölkerung gewonnen und es sei eine wichtige Datengrundlage für gesellschaftspolitische Maßnahmen geschaffen worden. Zeitverwendungserhebungen liefern Informationen darüber, wie viel Zeit Menschen für welche Aktivitäten aufwenden und wann im Tagesverlauf sie diese Aktivitäten ausüben. Die statistische Auswertung solcher Daten gibt beispielsweise Aufschluss über die Arbeitsbelastung und Arbeitsteilung in der Familie, Kinderbetreuung und Pflege, das freiwillige Engagement, das Zeitverwendungsverhalten von Kindern und Jugendlichen sowie Männern und Frauen in unterschiedlichen Lebenslagen. Mit ihren Daten zu unbezahlter Arbeit (z. B. Tätigkeiten der Haushaltsführung, Betreuung von Kindern) würden Statistiken zur Zeitverwendung eine wichtige Ergänzung zu den klassischen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen darstellen, die sich bei der Berichtserstattung zu Wertschöpfung und Wohlstand auf die Marktproduktion von Waren und Dienstleistungen konzentrieren.
Zeitverwendungserhebungen tragen nach Auffassung der Bundesregierung zu einer veränderten Wohlstandsmessung bei. Das Wohlstandsniveau der Gesellschaft lasse sich nur teilweise durch ökonomische Kerngrößen wie das Bruttoinlandsprodukt abbilden. Die Lebensqualität werde auch dadurch bestimmt, wie die verfügbare Zeit verbracht werde, unter welchem Zeitdruck die Menschen stünden, welche Freiheiten sie bei der Lebensgestaltung hätten und wie sich das Verhältnis von bezahlter Arbeit, unbezahlter Arbeit und Freizeit gestalte. Zeitverwendungserhebungen seien daher auch eine wichtige Datenbasis für eine umfassendere Messung des Wohlstands der Bevölkerung.
Um künftig eine regelmäßige Erfassung der statistischen Zeitverwendungsdaten sicherzustellen, sei die gesetzliche Anordnung ihrer Erhebung als Bundesstatistik erforderlich.
Weiterführende Hinweise:
BR-Drs. 6/21