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Unterstützung oder Behinderung von Selbstbestimmung – Wie erleben Menschen mit Lernschwierigkeiten und rechtlicher Betreuung ihre Situation?

Aufsätze

In der im Folgenden vorgestellten Promotionsstudie wurden die Erfahrungen von Menschen mit Lernschwierigkeiten mit ihrer rechtlichen Betreuung mittels eines partizipativen Forschungsdesigns erforscht. Ein besonderer Fokus lag hierbei auf ihrer Wahrnehmung der eigenen Selbstbestimmungsmöglichkeiten und ihren Kenntnissen über den eigenen rechtlichen Status.

I. Hintergrund der Studie

Die im Folgenden vorgestellte Studie fokussiert die Lebenswirklichkeit rechtlich betreuter Menschen mit Lernschwierigkeiten. Die Idee, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen, entstand im Kontext der anhaltenden Diskussionen um die Vereinbarkeit des Betreuungsrechts mit der UN-BRK. Neben dem grundsätzlichen Konflikt um die Legitimität ersetzender Entscheidungsfindung steht hierbei auch die Frage im Vordergrund, inwiefern die rechtliche Betreuung Menschen mit Behinderungen bei der selbstbestimmten Ausübung ihrer rechtlichen Handlungsfähigkeit unterstützt und somit ein Model unterstützter Entscheidungsfindung darstellt. Die Perspektiven und Erfahrungen von Menschen, die selbst eine rechtliche Betreuung haben, fanden lange Zeit kaum Eingang in die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Betreuungsrecht. Bis heute existieren vergleichsweise wenige Studien in Deutschland, in denen betreute Menschen direkt zu ihrer Situation befragt worden sind. Im Gegensatz zu den Selbstvertretungsorganisationen im psychiatrischen Bereich6ist die Selbstvertretung von Menschen mit Lernschwierigkeiten auch auf politischer Ebene bisher wenig an den Diskussionen um die Vereinbarkeit des Betreuungsrechts mit den menschenrechtlichen Vorgaben der UN-BRK beteiligt.

II. Nichts über uns ohne uns – Ein partizipatives Forschungsprojekt zu den Erfahrungen rechtlich betreuter Menschen mit Lernschwierigkeiten

Vor dem Hintergrund der Unsichtbarkeit der Perspektiven von Menschen mit Lernschwierigkeiten lag der Fokus der Studie explizit auf dieser Personengruppe. Entlang eines menschenrechtsbasierten und partizipativen Forschungsansatzes wurde die Studie außerdem von Beginn an in Kooperation mit dem Verein Mensch zuerst e.V. geplant und durchgeführt. Folgende Forschungsfragen standen dabei im Vordergrund:

  • Wie erleben Menschen mit Lernschwierigkeiten ihre rechtliche Betreuung?
  • Welche Erfahrungen machen sie im Hinblick auf ihre Möglichkeiten der selbstbestimmten Lebensführung?
  • Welche Kenntnisse bestehen im Hinblick auf das Betreuungsrecht und den eigenen rechtlichen Status?

Im Austausch mit dem Verein wurde in einem ersten Schritt sichergestellt, dass das Forschungsthema aus Sicht der Selbstvertretung tatsächlich Relevanz hat. Während der vorbereitenden Treffen problematisierten die Mitglieder auch den Mangel an zugänglichen Informationen über das Betreuungsrecht und die damit verbundenen offenen Fragen vieler Betroffener hinsichtlich ihres eigenen rechtlichen Status. Die dritte Forschungsfrage wurde daraufhin entsprechend ergänzt. Außerdem entstand die Idee, das eigentliche Forschungsvorhaben mit einer Schulungsreihe für Menschen mit Lernschwierigkeiten zum Thema Betreuungsrecht zu rahmen.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in Ausgabe 2 / 2021 auf Seite: 48
Jana Offergeld