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Menschen mit Demenz in Zeiten von Corona

Aufsätze

Menschen mit Demenz und deren Angehörige werden durch die CoronaPandemie in besonderer Weise belastet. Zum einen ist das gesundheitliche Risiko der Betroffenen im Fall einer Infektion erhöht. Zum anderen können sie die notwendigen Maßnahmen zum Schutz vor COVID-19 je nach Krankheitsverlauf oft nur teilweise oder gar nicht verstehen. Daher sind es meist Angehörige sowie Pflege- und Betreuungskräfte, die sicherstellen müssen, dass die entsprechenden Regeln im Alltag eingehalten werden. Steht dies den Bedürfnissen von Menschen mit Demenz entgegen, kann das Konflikte begünstigen. Es ist deshalb wichtig, die Problematik näher zu beleuchten und beispielhaft einige Lösungsansätze aufzuzeigen.

I. Gesundheitliche Risiken und Versorgungsprobleme

In der Regel gehören Menschen mit Demenz zur Gruppe der Älteren. Aus diesem Grund sind sie häufiger von einem schweren Krankheitsverlauf betroffen, wenn sie sich mit COVID-19 infizieren. Zum einen lässt die Reaktionsfähigkeit des Immunsystems im höheren Lebensalter nach, so das Robert Koch-Institut (RKI). Somit können unspezifische Krankheitssymptome, wie Fieber, das eine Antwort des Immunsystems auf eine Infektion ist, bei älteren Menschen schwächer ausfallen oder fehlen. Dies kann dazu führen, dass die Erkrankten erst zu einem späteren Zeitpunkt ihren Arzt aufsuchen. Ein weiterer Risikofaktor bei älteren Menschen sind vorbestehende Grunderkrankungen. Zu nennen sind primär Diabetes, starke Adipositas (Fettleibigkeit) sowie Erkrankungen der Atemwege, der Leber und der Niere, des Immunsystems, Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen. Je höher die Anzahl der Vorerkrankungen ist, desto höher ist das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs. Wirksame Schutzmaßnahmen sind deshalb gerade für diesen Personenkreis unverzichtbar.

Gleichzeitig ist zu bedenken, dass der überwiegende Anteil der rund 1,7 Mio. Menschen mit Demenz in Deutschland zu Hause durch Angehörige versorgt wird. Dies erfordert ein Hilfesystem, das auf die spezifischen Bedürfnisse in der jeweiligen Pflegesituation zugeschnitten ist. Neben Haus- und Fachärzten gehören dazu Pflegedienste, Tagespflegeeinrichtungen, aber auch helfende Nachbarn und ehrenamtlich Engagierte. Den Angehörigen, die seit Beginn der Pandemie die Verringerung oder sogar den Wegfall von Unterstützungsleistungen kompensieren müssen, empfiehlt die „Nationale Demenzstrategie“ der Bundesregierung, Beratungsstellen in Anspruch zu nehmen, die über Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung informieren und einen Überblick zu aktuellen Angeboten vor Ort geben können. Da die Möglichkeit persönlicher Gespräche eingeschränkt ist, sollen alternative Angebote der Beratung per Telefon bzw. E-Mail besonders gefördert und Online-Informationen auf- und ausgebaut werden. Zudem ist es vorgesehen, die psychosoziale und psychologische Beratung von Angehörigen sowie die telefonische Seelsorge zu stärken.

II. Angemessene Formen der Kommunikation

Neben Aktivitäten zur Optimierung von Versorgungsstrukturen sind auch Empfehlungen essenziell, die den Umgang mit den Betroffenen erleichtern. Vor diesem Hintergrund gibt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft auf ihrer Internetseite praxisorientierte Antworten auf die wichtigsten Fragen. Beispielsweise müsse man beim Versuch, einem Menschen mit Demenz die derzeitige Lage zu erklären, stets berücksichtigen, wie viel die betreffende Person noch verstehen könne. „Die Nachrichten im Fernsehen und Radio, der veränderte Tagesablauf – auch wenn jemand nicht versteht, worum es dabei geht, wird er verunsichert sein und vielleicht immer wieder nachfragen. Dann sollten Sie versuchen, ihm die aktuelle Situation mit einfachen Worten zu erklären“,  lautet ein Ratschlag der Experten.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in Ausgabe 2 / 2021 auf Seite: 62
Michaela Allgeier