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Kommunikationsmuster – Psychologische Spiele – Transaktionsanalyse im Betreueralltag

Aufsätze

In der täglichen Betreuungsarbeit findet vielfältige Kommunikation statt. Im Kontakt mit den Betreuten und auch anderen Personen ergeben sich häufig Situationen, die am Ende ungute Gefühle hinterlassen. Die Beteiligten wissen nicht, warum dies so gekommen ist. Es lohnt, sich solche Situationen anzuschauen, zu analysieren und für sich selbst Erkenntnisse zu erlangen, die die eigene Kommunikation verbessern. Dazu soll dieser Artikel mit dem Blick der Transaktionsanalyse dienen und eineMöglichkeit der Entwicklung anbieten.

I. Eine Situation aus dem Betreueralltag

Kommt Ihnen eine solche oder ähnliche Situation bekannt vor? Im Betreuungsbüro:

Betreuter Herr Be*: Ach (seufzt), es wäre so schön, man könnte wieder in die Arbeitstherapeutische Werkstatt gehen und dort arbeiten.

Betreuer Herr S*: Das verstehe ich, Herr Be*, dann rufen Sie doch ihren REHA-Berater an und vereinbaren Sie einen Termin, um das Ganze wieder in Gang zu bringen.

Herr Be*: Ja, aber im Moment geht es mir nicht so gut, ich kann keinen Termin vereinbaren. Der Herr P*, mein Berater, ist auch immer so schlecht zu erreichen. Da weiß ich gar nicht, wann ich anrufen soll. Außerdem habe ich kein Guthaben mehr auf meiner Handy-Karte …

Betreuer Herr S*: Dann gehen Sie doch einfach persönlich bei der REHA-Abteilung vorbei?

Herr Be*: Ja, aber meine Beine tun mir immer so weh, da schaffe ich den weiten Weg von der Haltestelle nicht zu der REHA-Abteilung. Das bringt im Moment alles nichts. Ich werde dann mal wieder gehen, trotzdem danke.

Interpretation unter Anwendung der Transaktionsanalyse:

Zu Beginn wirft der Betreute seinem Betreuer einen „Köder“/Einladung hin: Er sagt nicht, was er eigentlich will, die verdeckte Botschaft lautet: Hilfe!

Die Einwilligung erfolgt über das Signal des Verständnisses und dann kommt der Retter ins Spiel, der ungefragt ein Angebot macht. Herr Be* bekommt Beachtung, lehnt das Rettungsangebot ab, indem er die Realität übertreibt und unrealistische Gründe für das Scheitern der potenziellen Lösungen angibt.

Der Betreuer widmet ihm weiter seine Aufmerksamkeit und rettet erneut mit einem weiteren Angebot. Dieses wird durch „Ja, aber“ nicht angenommen und Herr Be* steigt aus der Opferposition aus, indem er in die Haltung des Verfolgers geht mit dem Satz „Das bringt sowieso alles nichts“, sich aber dann noch beim Retter bedankt, letztendlich die Kommunikation abbricht und die Situation verlässt. Herr Be* (denkt): „Wusste ich es doch, dass mein Betreuer mir nicht helfen kann“, er hat Gefühle von Ärger oder Enttäuschung, am Ende vielleicht auch Triumph.

Betreuer Herr S* (denkt): „Naja, da weiß ich jetzt auch nichts mehr“. Eventuell entstehen bei ihm Selbstzweifel, ob er auch ein guter Betreuer ist. Bei beiden bleiben ungute Gefühle zurück. Das eigentliche Anliegen von Herrn Be* wurde nicht gelöst und bleibt am Ende offen.

Fazit: Die Begegnung und Kommunikation in dieser Situation stellt für beide eine unbefriedigende, unproduktive Situation dar. Der Betreute bekommt Zuwendung und Aufmerksamkeit durch Herrn S*. Herr Be* fühlt sich am Ende schlecht, weil er immer noch nicht weiß, wie er in die Arbeitstherapeutische Werkstatt kommt. Er weist seinem Betreuer nach, dass er „alle“ gemachten Angebote nicht umsetzen kann. Eventuell ist dies für ihn auch der Beweis „mir kann keiner helfen“. Bei dem Betreuer bleiben Selbstzweifel zurück, dass seine gemachten Vorschläge nicht hilfreich waren und er in seiner Rolle als Rechtlicher Betreuer nicht so kompetent ist.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in Ausgabe 4 / 2020 auf Seite: 137
Susanne Krüger