Bau & Immobilien

Rückblick auf den Kölner Wertermittlertag 2026: Zentrale Trends der Immobilienbewertung

Geschrieben von Nicola Jantzen | 15.10.2026, 13:48:46

Am 30. September 2026 brachte der 11. Kölner Wertermittlertag insgesamt 400 Teilnehmende zusammen – vor Ort im KOMED Köln und online. Unsere Kolleginnen Nicola Jantzen und Jutta Wernik waren vor Ort und geben einen Rückblick auf die wichtigsten Themen und Diskussionen des Tages. 

Wer als Sachverständiger oder Sachverständige täglich Verkehrswertgutachten erstellt, kennt das Grundproblem: Rechtliche Rahmenbedingungen, technische Entwicklungen und volatile Märkte verändern die Bewertungspraxis schneller, als sich Fachwissen im Alltag aktualisieren lässt. Genau an diesem Punkt setzte der Kölner Wertermittlertag 2026 an. Das Programm entstand, wie in den Vorjahren, in enger Zusammenarbeit mit Frau Dr. Daniela Schaper, ö.b.u.v. Sachverständige für die Bewertung von bebauten und unbebauten Grundstücken, die als Mitgestalterin der ersten Stunde die Themen direkt aus aktuellen Fragen der Bewertungspraxis ableitet. Um 09:00 Uhr eröffnete sie den Tag im vollen Saal des KOMED und führte durch ein Programm, das sich zwischen rechtlicher Feinarbeit, technologischem Ausblick und Marktbeobachtung bewegte.

Wie geht die Praxis mit Nießbrauch und Modellkonformität um?

Dr. Daniela Schaper; ©Reguvis/wolterfoto

Den fachlichen Auftakt bildete Dr. Schaper selbst mit einem Vortrag zu ausgewählten Anwendungsfragen der ImmoWertV und ImmoWertA, mit besonderem Schwerpunkt auf der Herausforderung Nießbrauch. Im Zentrum standen die Wahl der Bewertungsparameter im Hinblick auf die Modellkonformität, etwa bei Bewirtschaftungskosten und Kapitalisierungszinssatz, sowie die Bestimmung des Leibrentenbarwertfaktors in besonderen Fällen. Ergänzend ordnete sie ein, wie der gewöhnliche Geschäftsverkehr und allgemeine Wertverhältnisse in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen sind. Im Anschluss nutzten viele Teilnehmende die Zeit für Fragen und Diskussion, ein Muster, das sich über den ganzen Tag zog: Nach jedem Vortragsblock war bewusst Raum für den direkten Austausch mit den Referierenden eingeplant.

 

Spannende Praxisfälle aus der Wertermittlung

Direkt danach übernahm Stephanie Schäfer, MRICS und Diplom-Sachverständige (DIA), das Podium mit einem Vortrag unter dem Titel "Der Teufel steckt im Detail". Sie sprach über Stolperstellen, die in der Sachverständigenpraxis leicht übersehen werden, aber erhebliche Auswirkungen auf das Bewertungsergebnis haben können. Ihr Vortrag machte deutlich, wie viel handwerkliche Sorgfalt hinter einem belastbaren Gutachten steckt.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in der Gutachtenprüfung?

Nach der ersten Kaffeepause, die wie gewohnt intensiv zum Netzwerken genutzt wurde, richtete Jonathan Seitz, freier Sachverständiger und Gründer von Auditir, den Blick auf ein Thema, das die Branche zunehmend beschäftigt: Potenziale und Grenzen KI-gestützter Gutachtenprüfung. Für viele im Saal war das ein erster praktischer Einstieg in ein Feld, das bislang eher theoretisch diskutiert wurde als im Berufsalltag angekommen ist.

In den Pausen zeigte sich einmal mehr, warum der Kölner Wertermittlertag von vielen Teilnehmenden nicht nur als Fortbildung, sondern als festes Netzwerktreffen der Branche wahrgenommen wird. Zwischen den Vortragsblöcken sorgten Kaffee- und Mittagspause bewusst für Zeit zum informellen Gespräch, ein Format, das dem verbreiteten Wunsch nach fachlichem Austausch unter Sachverständigen entgegenkommt. 

Fotos: ©Reguvis/wolterfoto

Was ändert sich bei der steuerlichen Immobilienbewertung?

Am Nachmittag übernahm Hannah Sklareck vom Ministerium der Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen und ordnete aktuelle Entwicklungen der steuerlichen Immobilienbewertung ein. Ihre Mitwirkung beim Kölner Wertermittlertag erfolgte in nicht dienstlicher Eigenschaft. Sie ging zunächst auf die Rechtsentwicklung zur Qualifikation von Sachverständigen ein, bevor sie die aktuelle Verwaltungsauffassung zu § 198 BewG (Erbschaftsteuer) und zu § 220 Abs. 2 BewG (Grundsteuer) erläuterte. Ergänzend sprach sie über aktuelle Entwicklungen bei den Ertragsteuern. 

Wie verändert der Wandel im Einzelhandel die Standortbewertung?

Ein weiterer Höhepunkt des Nachmittags war der Impulsvortrag von Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH KÖLN, zum Thema "Einzelhandel im Wandel: Wie der Handel sich verändert, und was das für Standorte heißt". Herr Hedde zeichnete zunächst anhand von Zahlen, Daten und Fakten eine Rückschau aus Markt- und Kundensicht nach und wagte anschließend eine Vorausschau auf das Jahr 2030. Daraus leitete er Handlungskonsequenzen und Strategien für einen erfolgreichen Handel der Zukunft ab und ordnete ein, was das für die Bespielung von Innenstädten und Handelsstandorten bedeutet.

Die offene Diskussionsrunde zeigte, wie eng Marktforschung und Bewertungspraxis inzwischen zusammenhängen, gerade bei der Einschätzung von Einzelhandelsstandorten in Innenstädten, die sich seit Jahren im Umbruch befinden.

Wo liegen versteckte Baurechtspotenziale?

Dr. Markus Johlen; ©Reguvis/wolterfoto

Den fachlichen Abschluss übernahm Dr. Markus Johlen, Fachanwalt für Verwaltungsrecht mit Schwerpunkt öffentliches Bauplanungsrecht bei Lenz und Johlen Rechtsanwälte.

Er sprach über versteckte Baurechtspotenziale und zeigte Spielräume bei Bebauungsplänen, bei der Anwendung des § 34 BauGB sowie bei den neuen Vorschriften des sogenannten "Bau-Turbos" auf.  

Kurz vor 17:00 Uhr endete der Kongresstag mit der Verabschiedung durch Frau Dr. Daniela Schaper.

 

Der zeitliche Ablauf und die Themen des Tages im Überblick:

Programmpunkt Referent:in
Ausgewählte Fragen zur Anwendung der ImmoWertV und ImmoWertA – Herausforderung Nießbrauch Dr. Daniela Schaper
Der Teufel steckt im Detail: Was in der Sachverständigenpraxis leicht übersehen werden kann – Praxisfälle aus der Wertermittlung Stephanie Schäfer
Qualitätssicherung in der Wertermittlung: Potenziale und Grenzen KI-gestützter Gutachtenprüfung Jonathan Seitz
Aktuelles zu steuerlichen Immobilienbewertungen Hannah Sklareck
Einzelhandel im Wandel: Wie der Handel sich verändert – und was das für Standorte heißt Boris Hedde
Diskussionsrunde: Auswirkungen des Wandels auf die Sachverständigenpraxis: Was bedeutet die Transformation des Einzelhandels für die Bewertung? Dr. Daniela Schaper und Boris Hedde
Versteckte Baurechtspotenziale: Spielräume bei Bebauungsplänen, § 34 BauGB und den Vorschriften des „Bau-Turbos“  erkennen

Dr. Markus Johlen

 

Der Kölner Wertermittlertag wurde unterstützt von den Kooperationspartnern b.v.s, IVD und LVS Bayern.  Begleitet wurde die Tagung von zwölf Ausstellern und Sponsoren, darunter Augenschein, BauExperts, der b.v.s Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, die Deutsche Immobilien-Akademie an der Universität Freiburg, DIAZert, EIPOS, EIPOS CERT, IMV Marktdaten, on-geo, PLAN4, VUK Digital und die Wohnflächen-Akademie. 

Fazit

Der Kölner Wertermittlertag 2026 hat einmal mehr gezeigt, wie eng rechtliche Neuerungen, technische Entwicklungen und methodische Praxisfragen in der Immobilienwertermittlung zusammenhängen. Von der Anwendung der ImmoWertV bei Nießbrauchsfällen über KI-gestützte Qualitätssicherung bis zum Strukturwandel im Einzelhandel: Die Tagung bot ein dichtes fachliches Update an einem Tag. Ebenso wichtig war der intensive Austausch zwischen den Teilnehmenden, ein Aspekt, der angesichts der hohen Arbeitsbelastung und Verantwortung im Berufsalltag oft zu kurz kommt und den viele Teilnehmende als wichtigen Mehrwert des Tages beschrieben.

 
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Vielen Dank an das ganze Team für die perfekte Organisation. Alle haben sich erkennbar wohlgefühlt. Ein super Vibe war im Saal und die aktive Beteiligung, auch der digital zugeschalteten Teilnehmerinnen und Teilnehmer, war super. Ein gelungener Tag und ich freue mich schon sehr auf ein Wiedersehen am 30.09.2027.
Dr. Daniela Schaper

 

Teilnehmerstimmen 2026

 

12. Wertermittlertag am 30.09.2027 - wir freuen uns auf Sie!