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25.06.2020

Steuerberater profitieren auch nach Ende der Corona-Hilfe des BAFA

Von: Paul Liese, Hamburg

Fördergelder für Beratung und Verfahrensdokumentation: Möglichkeiten in der Krise

Steuerberater haben mit Corona erkannt, dass Fördermittel besonders in Krisenzeiten wichtig sind, etwa für die Erstellung einer Verfahrensdokumentation. In Folge wurde das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit Akkreditierungsanfragen und Fördergeldanträgen überhäuft. Jedoch haben auch unseriöse Trittbrettfahrer versucht, von der Staatshilfe zu profitieren. Jetzt hat das BAFA die Corona-Hilfen gestoppt. Nach wie vor gibt es aber andere Programme, deren Mittel für Berater und Mandanten in Frage kommen. Denn eine erste Lehre aus der Pandemie ist durchaus, dass Fördermittel strategisch als Element gelten und nicht nur kurzfristig eingesetzt werden sollten. Die nächste Krise kommt garantiert. Das BAFA bietet grundsätzlich mehrere Möglichkeiten, um die Beratung bezuschussen zu lassen.

Bei vielen Kanzleien hat die Entscheidung des BAFA, die Corona-Hilfe zu stoppen, für Verunsicherung gesorgt. Vielerorts wurden Anträge für Mandanten auf die Förderung gestellt, doch nur die Kanzleien oder Berater, deren Mandanten eine Inaussichtstellung bekommen haben, können ihr Projekt, ihre Beratung auch nach dem Ende des Förderprogramms immer noch umsetzen. Anträge auf Corona-Förderung, die noch nicht mit einer Inaussichtstellung beantwortet wurden, werden durch den Stopp nun aber wahrscheinlich nicht mehr genehmigt.

Barrieren für Trittbrettfahrer

Ruhe bewahren und nicht in Aktionismus verfallen, empfiehlt Daniel Terwersche, Gründer und Geschäftsführer der Kanzleistratege GmbH: „Manchmal ist so etwas ja auch eine Chance. Denn wir haben mittlerweile festgestellt, dass sich viele Berater mit dem Thema Fördermanagement durch softwaregeführte Lösungen wie Opti.Tax auseinandergesetzt und sich dem Thema angenommen haben.“ Terwesche sieht es so, dass Scharlatane, die nur Geld abgreifen wollten, jetzt zwei Barrieren haben, die dazugekommen sind – sich telefonisch beraten zu lassen und dass der Mandant erst das Geld investiert, um es später ausgezahlt zu bekommen: „Das schafft wieder Vertrauen in die Förderstelle. So schaffen es die Berater, wirklich fundiert nachhaltig Förderberatung anzubieten. Jetzt ist es wirklich eine strategische Sache.“

Alternativen aktiv suchen

Denn auch wenn bei der Förderung des BAFA für die Folgen von Corona eine Absage droht, ist es grundsätzlich ratsam, auf eine andere Förderungsmöglichkeit umzuschwenken, sofern die Gegebenheiten stimmen, nämlich auf die Kategorie Unternehmen in Schwierigkeiten oder auf Bestandsunternehmen. Das Förderprogramm des BAFA bietet verschiedene Möglichkeiten, für Jungunternehmen, Bestandsunternehmen und für Unternehmen in Schwierigkeiten. Der Corona-Stopp hat nichts mit diesen drei Ausprägungen des Programms zu tun. Und von den Beratungsleistungen her wurde nichts eingeschränkt, was förderfähig wäre. Konkret sind also die gleichen Themen wie vorher auch weiterhin beim BAFA über dessen Programme förderfähig und entscheidend ist am Ende der Beratungsbericht.

Das Ziel im Auge behalten

Fördermittelberater wie Alexander Thiem vom Berliner Unternehmen Foerderquelle raten daher in diesem Kontext zu einem proaktiven Ansatz – also nicht auf die Absage über die Corona-Hilfe zu warten, sondern die Anträge neu zu stellen, aber eben über eines der anderen Programme des BAFA. Gehe der Berater auf den Mandanten zu, dann eröffne sich die Chance, die Situation zu gestalten. Die Argumentation sei dann: „Wir haben ein Unternehmen in Schwierigkeiten. Wir können daraus 90 Prozent machen. Und wir haben Alternativen, um die wir uns aktiv kümmern, anstatt dass wir die Situation auf uns zukommen lassen und abwarten“.

Programm mit drei Ausprägungen

Die Programme für Jungunternehmen und Bestandsunternehmen sind hauptsächlich zu unterscheiden aufgrund der zeitlichen Schiene, erklärt Alexander Thiem. Die Jungunternehmen sind maximal zwei Jahre alt seit dem Tag der Gründung und Bestandsunternehmen sind all die Unternehmen, die nicht mehr in diesem Zeitraum liegen, sprich ab dem dritten Jahr der Gründung. Ein Unternehmen in Schwierigkeiten kann sowohl ein Jungunternehmen als auch ein Bestandsunternehmen sein. „Aber es gibt noch weitere Kriterien, wie beispielsweise, dass 50 Prozent des Stammkapitals aufgebraucht sein müssen und ein, zwei Dinge, die bei Kapital- und Personengesellschaften zu beachten sind. Aber grundsätzlich gibt es diese drei neben der Corona-Förderung parallel“, erläutert Fördermittelberater Thiem.

Regionalpartner kontaktieren

Bei einem Unternehmen in Schwierigkeiten unterscheide sich das Vorgehen beim Antragsprozess ein wenig von der Corona-Förderung: „Wir haben bei Jungunternehmen/Unternehmen in Schwierigkeiten noch das Regionalpartnergespräch vor dem eigentlichen Antrag. Das heißt, der Mandant muss sich vor dem Antrag darum kümmern, dass das Informationsgespräch abgewickelt wird.“
Um die 90 Prozent Förderung bekommen zu können, müsse vor Antragsstellung ein Gespräch mit dem Regionalpartner, der Leitstelle geführt werden. Im Nachgang dieses Gesprächs entsteht ein zentrales Dokument: die Bestätigung der fachlichen Beratung. „Diese Bestätigung ist wichtig, weil sie auch eingereicht werden muss zur Dokumentation“, erklärt Alexander Thiem. Neben Unternehmen in Schwierigkeiten gilt das Informationsgespräch mit dem Regionalpartner vor der Antragstellung auch für die Kategorie Jungunternehmen, nur bei den Bestandsunternehmen ist es optional.

Der Antragsprozess im Detail

Der typische Ablauf, um einen Mandanten mit zwei verschiedenen Themen und damit zwei Zuschüssen beraten zu können, beginnt mit einem Informationsgespräch. Die damit erlangte Bestätigung ist drei Monate gültig, um den Antrag zu stellen. „Dann haben wir die Erstberatung, die sich im Antrag Unternehmen in Schwierigkeiten, Unternehmenssicherungsberatung nennt. Wir beraten, schließen das ab, reichen die Dokumentation ein. Und nun ist die Situation, dass wir die Beratung durchgeführt haben, viele Aspekte angesprochen haben, aber mehrere Aspekte noch nicht in ausreichender Tiefe. Und dafür ist die Folgeberatung da, dass man genau diese Aspekte noch einmal herauspickt, dazu berät und dadurch eben diese zweimal 3000 Euro für die Beratungskosten ausschöpfen kann“, berichtet Alexander Thiem. Ist das Unternehmen aus den Schwierigkeiten heraus, kann der Berater die Förderung als normales Unternehmen, als Bestandsunternehmen in Anspruch nehmen.
„Man könnte auch erst einen Antrag als Bestandsunternehmen stellen, dann in der Beratung merken, dass es eigentlich ein Unternehmen in Schwierigkeiten ist, und dann im Beratungsbericht noch ändern auf Unternehmen in Schwierigkeiten und damit 90 Prozent in Anspruch nehmen“, betont der Fördermittelberater. Dabei müsse streng zwischen Jungunternehmen, Bestandsunternehmen und Unternehmen in Schwierigkeiten unterschieden werden, weil das drei separate Kategorien sind. Und sollte zwischen Erst- und Folgeberatung eine größere zeitliche Diskrepanz sein, müsse ein Berater die Durchführung auch begründen können.

Zwei Zuschüsse für jeden Mandanten

Die BAFA-Fördermöglichkeiten gestatten eine Erstberatung und eine Folgeberatung. Alexander Thiem erläutert die Details: „Bestandsunternehmen kann man zweimal verwenden; einmal allgemein und einmal speziell, je 3000 Euro Beratungshonorar, das gefördert oder anerkannt wird. Bei Jungunternehmen sind es zweimal 4000 Euro ebenfalls für allgemeine und für spezielle Themen. Und bei Unternehmen in Schwierigkeiten 3000 Euro für die Erstberatung und dann 3000 Euro für die Folgeberatung.

Fazit

Neben dem des BAFA existieren weitere Förderprogramme des Bundes, die unter Umständen in Frage kommen, um sie als Steuerberater für die aktuelle Situation bei seinem Mandanten zu nutzen. Das Programm go-digital etwa, um in die Digitalisierung von Prozessen zu investieren Die Beratungsförderung als solche über das BAFA mit 90 Prozent scheint aber die Lösung der ersten Wahl mit den meisten Vorteilen für Berater und Mandanten – wenn es rein um die Beratung geht.



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