ThemenübersichtMenü
Betrifft-Unternehmen
01.10.2010

Vielfältige Notwendigkeit einer BilMoG-Eröffnungsbilanz

Von: StB Dr. Christian Zwirner

Mit der Umstellung auf die neuen Rechnungslegungsvorschriften wird die Bilanzidentität zwischen der Schlussbilanz des abgelaufenen Jahres und der Eröffnungsbilanz des neuen Jahres durchbrochen. Die entsprechenden Effekte können unternehmensindividuell sehr weitreichend sein und neben den unmittelbaren Konsequenzen für die Bilanz auch mittelbare Auswirkungen haben. Zu etwaigen Rechtsfolgen aus den Umstellungseffekten treten technische Voraussetzungen und prozess- bzw. prüfungsbedingte Erfordernisse hinzu, die eine eigenständige BilMoG-Eröffnungsbilanz notwendig machen.

Rechnungslegung

In den Art. 66 und 67 EGHGB hat der Gesetzgeber eigenständige Übergangsregelungen für die Umstellung auf das BilMoG geschaffen. Gleichzeitig regelt IDW RS HFA 28, wie mit den einzelnen Fortführungs- und Beibehaltungswahlrechten umzugehen ist. Aufgrund der verschiedenen Möglichkeiten, einzelne Bilanzposten nach altem Recht ganz oder teilweise beizubehalten bzw. fortzuführen, sind die entsprechenden Umstellungsent-scheidungen in einer gesonderten Dokumentation festzuhalten. Eine weitere Notwendigkeit für eine eigenständige BilMoG-Eröffnungsbilanz ergibt sich aus der Abbildung der unmittelbar erfolgsneutral im Eigenkapital zu erfassenden Umstellungseffekte. Ebenso erfordern die zutreffende Abgrenzung der latenten Steuern sowie die Ermittlung des Anpassungsbetrags der Pensionsrückstellungen eine gesonderte Dokumentation zum Beginn des Geschäftsjahrs 2010.

Bilanzpolitik

Erst wenn der Bilanzierende die Umstellungseffekte zum 01.01.2010 kennt, kann er eine für ihn zielführende Ausübung der einzelnen Umstellungswahlrechte der Art. 66 und 67 EGHGB vornehmen. Hierbei kann er obligatorischen Umstellungseffekten durch bewusste bilanzpolitische Maßnahmen entgegentreten. Zudem ermöglicht ihm die Kenntnis der Auswirkungen der BilMoG-Umstellung auf sein Bilanzbild (insbesondere auf Eigenkapital und Ergebnis) die Formulierung einer entsprechenden laufenden bilanzpolitischen Strategie für das Jahr 2010. Die eigenständige BilMoG-Eröffnungsbilanz liefert hierzu wertvolle Erkenntnisse.

Vertragsgestaltungen

An die externe, handelsrechtliche Rechnungslegung knüpfen nicht selten Vertragsgestaltungen an. Hierbei kann es sich sowohl um ‚interne’ Verträge (zum Beispiel Vergütungsvereinbarungen betreffend) als auch um ‚externe’ Verträge (zum Beispiel hinsichtlich Kreditklauseln oder Earn-out-Klauseln) handeln. Es ist wichtig, die Auswirkungen des BilMoG auf diese Verträge bzw. auf darin enthaltene Größen des Rechnungswesens umfassend und gesondert zu analysieren. Ergeben sich zum Zeitpunkt der Umstellung beispielsweise hohe passive latente Steuern, die das Eigenkapital belasten, sollte dies zeitnah mit dem Kreditgeber besprochen werden, sofern bestimmte Klauseln (beispielsweise die Einhaltung einer Mindesteigenkapitalquote) im Kreditvertrag vereinbart worden sind. Mit Blick auf erfolgsabhängige Vergütungsvereinbarungen muss eine Regelung gefunden werden, ob, wie und in welchem Umfang umstellungsbedingte Effekte Einfluss auf die Bemessung der Vergütung des Jahres 2010 haben sollen. 

Controlling/Reporting

Für eine sachgerechte Unternehmenssteuerung ist es unvermeidbar, die laufenden Geschäftsvorfälle von den einmaligen Umstellungseffekten zu trennen. Zwar wird die Vergleichbarkeit der Daten des Geschäftsjahrs 2010 mit denen der Vorperioden ohnehin durch die einzelnen neuen Abbildungs- und Bewertungsvorschriften nur stark eingeschränkt möglich sein, allerdings muss zudem eine Bereinigung der Ergebnisgrößen um die gerade nicht dem laufenden Geschäft zurechenbaren Einmaleffekte erfolgen. Um im Controlling die einzelnen Effekte der BilMoG-Umstellung zutreffend abzubilden, hat zunächst eine nachvollziehbare und isolierte Ableitung dieser Effekte in einer eigenständigen Umstellungsrechnung (BilMoG-Eröffnungsbilanz) zu erfolgen. 

EDV/IT/Organisation/Systeme

Wie die einzelnen laufenden Geschäftsvorfälle sind auch die BilMoG-Umstellungs¬bu-chun¬gen in der Buchführung, und damit der EDV, zu erfassen. Mit der Umstellung zum 01.01.2010 gehen neue Buchungsmuster und Buchungsroutinen einher. Die BilMoG-Umstellung sollte in einem separaten Buchungslauf vorgenommen werden, der es erlaubt, eigenständige Rechenwerke (Bilanz, GuV, Eigenkapitalspiegel) zu generieren. Aufgrund dieser gesonderten Bilanz, die mit der Bilanz zum 31.12.2009 verglichen werden kann, las-sen sich die Umstellungseffekte systemseitig dokumentieren und entsprechend archivieren. Sofern sich im Zusammenhang mit der Umstellung der Rechnungslegung auf die neuen Regelungen (sowie bei der Erstellung neuer Kontenpläne, Bilanzierungshandbücher, Reportings etc.) Probleme ergeben, kann der Bilanzierende umso besser darauf reagieren, je früher im Geschäftsjahr 2010 er die Umstellung zum 01.01.2010 vorgenommen hat.

Abschlussprüfung

In der Vergangenheit stellte die Prüfung der Eröffnungsbilanz-Werte eines Geschäftsjahrs regelmäßig keine besondere Herausforderung dar. Mit der Umstellung auf die neuen Rechnungslegungsvorschriften wird der Bilanzzusammenhang auseinandergerissen. Die BilMoG-Eröffnungsbilanzwerte sind gesondert zu ermitteln. Nur eine zeitnahe Prüfung der Umstellung durch den Abschlussprüfer kann sicherstellen, dass die zum 31.12.2010 erstellte Bilanz auf zulässigen und bilanzrechtlich vertretbaren Startwerten aufsetzt. Sofern diese zusätzliche Prüfung, die im Einzelfall eine deutliche Ausweitung der Prüfungshandlungen des Abschlussprüfers darstellen wird, gleichwohl allerdings geboten ist, erst im Rahmen der regulären Abschlussprüfung oder in der üblichen Vorprüfung vorgenommen wird, ist der reguläre Prüfungsablauf für die Jahresabschlussprüfung 2010 zumindest gefährdet.

 

Weitere Infos unter www.kleeberg.de

 



Handbuch Bilanzrecht

Abschlussprüfung und Sonderfragen in der Rechnungslegung

Die professionelle Arbeitshilfe zur Abschlussprüfung sowie bei aktuellen Sonderfragen in der Rechnungslegung

ISBN: 978-3-8462-0873-1

Preis: € 98,00

jetzt informieren

Jetzt testen:

Ein-/Ausblenden

Bilanz Plus

Die Datenbank für die Bilanzierungspraxis

Mit uns bleiben Sie im Bilanzrecht auf Kurs!

Preis: € 288,00

jetzt informieren