ThemenübersichtMenü
Betrifft-Unternehmen
02.07.2010

Neue Möglichkeiten der Abbildung von Unternehmenszusammenschlüssen – mehr Goodwill nach IFRS 3

Von: StB Dr. Christian Zwirner

a) Erstmalige Anwendung in 2010

Die Neufassung des IFRS 3 ist erstmals für Geschäftsjahre anzuwenden, die am oder nach dem 31. Juli 2009 beginnen. Damit sind die Neuregelungen regelmäßig für den Jahresabschluss 2010 zu beachten. Neben zahlreichen Änderungen ist eine Besonderheit herauszu-greifen: IFRS 3 beinhaltet nunmehr ein Wahlrecht zur Anwendung der sog. Full Goodwill-Methode. Diese Methode erlaubt es dem Bilanzierenden, den im Rahmen einer Akquisition entstandenen Goodwill auch auf die Minderheitenanteile hochzurechnen. 

b) Ermittlung und Ansatz des Full Goodwill

Der Full Goodwill unterscheidet sich von dem beteiligungsproportionalen, allein auf den Mehrheitsgesellschafter entfallenden Goodwill durch den auf die Minderheitsgesellschafter entfallenden Anteil. Der auf die Minderheiten entfallende Anteil des Goodwill ist zum Fair Value anzusetzen. Hierbei sind regelmäßig Kontrollprämien etc. zu berücksichtigen, die das Mutterunternehmen für den Erwerb der Mehrheitsbeteiligung aufwenden musste. In Abhän-gigkeit des Vorliegens solcher Sachverhalte gestaltet sich die Ermittlung des Goodwill, der auf die Minderheitenanteile entfällt, als komplex. Im IFRS-Konzernabschluss ist der Goodwill einheitlich auszuweisen. Bei der Zugangsbewertung ist keine Aufteilung des Goodwill auf die Mehrheitsgesellschafter sowie die Minderheitsgesellschafter vorzunehmen.

c) Fortschreibung des Full Goodwill und Aufteilung eines Wertberichtigungsbedarfs

Der Impairment Test ist für den gesamten aktivierten Goodwill vorzunehmen. Beim Ansatz des Full Goodwill sind Wertminderungen auf die einzelnen Gesellschaftergruppen (Mehr-heitsgesellschafter und Minderheitsgesellschafter) aufzuteilen. Die Aufteilung hat hierbei nach demselben Schlüssel zu erfolgen, nach dem auch die Ergebnisse des betrachteten Tochterunternehmens zwischen den Gesellschaftern verteilt werden, wenn das betrachtete Tochterunternehmen selbst eine Cash Generating Unit darstellt, der ein Goodwill zugerech-net ist. Bei der Berücksichtigung von Kontrollprämien ist der Wertminderungsaufwand pro-portional zu den auf die beiden Gesellschaftergruppen entfallenden Buchwerten des Goodwill vor dem zu erfassenden Wertminderungsaufwand zu verteilen.

d) Bilanzpolitische Empfehlungen

Da die Minderheitenposten nach IFRS zum Eigenkapital zählen, erhöht ein Full Goodwill im Vergleich zum beteiligungsproportionalen Goodwill das Eigenkapital. Allerdings ist zu beachten, dass mit dem Ansatz eines höheren Goodwill auch das buchmäßige Abschreibungs- und Verlustpotenzial steigen. Die Anwendung der Full Goodwill-Methode bietet sich immer dann an, wenn der Bilanzierende ein möglichst hohes Eigenkapital ausweisen möchte und mit einem vergleichsweise „sicheren“ Goodwill rechnet. 

e) Auswirkungen auf die Unternehmenssteuerung

Die unterschiedliche Anwendung der beiden zulässigen Goodwill-Ansätze führt unmittelbar zu Verzerrungen bei den einzelnen Steuerungskennzahlen. Dies stellt den Bilanzierenden nicht nur intern, sondern auch mit Blick auf seine externe Berichterstattung und Kommunikation vor Probleme. Zwar sind mit einem höheren Eigenkapital in der Praxis regelmäßig positive Effekte verbunden. Dies darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein höheres Eigenkapital auch Einfluss auf Renditekennzahlen nimmt. Die Anwendung der Full Goodwill-Methode erhöht die Anforderungen an ein sachgerechtes Akquisitionscontrolling.

Näheres erfahren Sie auch auf unserer Seite zum BilMoG



Handbuch Bilanzrecht

Abschlussprüfung und Sonderfragen in der Rechnungslegung

Die professionelle Arbeitshilfe zur Abschlussprüfung sowie bei aktuellen Sonderfragen in der Rechnungslegung

ISBN: 978-3-8462-0873-1

Preis: € 98,00

jetzt informieren

Jetzt testen:

Ein-/Ausblenden

Bilanz Plus

Die Datenbank für die Bilanzierungspraxis

Mit uns bleiben Sie im Bilanzrecht auf Kurs!

Preis: € 288,00

jetzt informieren