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28.11.2019

Indien: Aussichtsreiche Branchen für deutsche Unternehmen

Von: C. Isken/Redaktion

Flagge Indiens

Indiens Wirtschaft wächst auf hohem Niveau. In einigen Bereichen gehört das Land bereits zur Weltspitze. Andererseits besteht in vielen Branchen noch großer Nachholbedarf, der ein hohes Geschäftspotenzial bietet.

Indien ist in einigen Bereichen führend in der Welt – z. B. in der Informationstechnik, der Pharmazie, der Raumfahrt und der Biotechnologie. Andererseits besteht ein immenser Nachholbedarf an Technologie, die eine Fertigung nach internationalen Standards und eine Produktion exportfähiger Erzeugnisse ermöglicht.

Deutsche Maschinen und Anlagen sind sehr gefragt, denn Made in Germany hat das Image hervorragender Qualität und Zuverlässigkeit. Auch gebrauchte Maschinen bieten immer noch großen technologischen Fortschritt im Vergleich zur derzeitigen Ausrüstung.

Die Infrastruktur muss dringend verbessert werden. Somit ist alles gefragt, was der Energieversorgung dient: Kraftwerke, Turbinen, Schaltanlagen, private Kraftwerke, die Strom ins öffentliche Netz speisen, etc. Auch Anlagen und Leitungen für die Telekommunikation sind dringend notwendig. Das Transportwesen ist völlig überlastet und veraltet. Deswegen besteht Bedarf an allen Materialien und Maschinen für den Straßenbau, Schienen, Zügen, Leitwerken etc. U-Bahnen werden in den großen Metropolen gebaut. Flughäfen werden erweitert und modernisiert. Umweltschutz ist ein großes Thema: Anlagen für sauberes Wasser und saubere Luft, Müllentsorgung etc. sind notwendig. Die Erzeugung erneuerbarer Energien soll weiter zunehmen. Auch pharmazeutische und chemische Produkte verkaufen sich gut in Indien.

Lebensmittelverarbeitung und -verpackung sowie technisch modernere Ausrüstungen für Lebensmitteltransport und Logistik und Kühlketten werden in diesem Subkontinent mit extremen klimatischen Bedingungen immer wichtiger. Gefragt sind auch Fruchtsäfte und -konzentrat, Fleischverarbeitung, Meeresfrüchte, Gefrierkost, Molkereiwaren, Fertigprodukte und die Dehydrierung von Nahrungsmitteln.
Im Konsumgüterbereich fragen wohlhabende Endverbraucher Premiumprodukte nach. Dabei lassen sich auch Premiumpreise erzielen. Junge, gut verdienende Berufstätige kaufen alles für einen prestigeträchtigen Lifestyle: Handys, Motorräder, Autozubehör, Waschmaschinen, Mikrowelle, Geschirrspüler etc.

Tipps zu einzelnen Sektoren


In einzelnen Sektoren zeigen sich laut Germany Trade and Invest (GTAI) folgende aktuellen Entwicklungen.

Maschinenbau
Die Herstellung von Maschinen und Ausrüstungen hat sich von April 2018 bis Februar 2019 auf einen realen Zuwachs von 3,4 Prozent (Vorjahreszeitraum 7,6 Prozent) verlangsamt. Damit liegt der Maschinenbau leicht unterhalb der gesamten Industrieproduktion, die in den elf Monaten um 3,8 Prozent zugelegt hatte. Auch der Umsatz mit Maschinen soll sich 2019 auf ein reales Wachstum zwischen 5 und 8 Prozent gegenüber 10 Prozent im Vorjahr abflachen, schätzen Oxford Economics und der Fachverband VDMA. Hinzu kommt, dass die Kapazitätsauslastung in der Kapitalgüterindustrie mit 74 Prozent von Oktober bis Dezember 2018 noch nicht zu Investitionen drängt.

Chemieindustrie
Indien ist der siebtgrößte Chemieproduzent der Welt (gemessen am Produktionsvolumen) und der drittgrößte in Asien. Im Zuge der „Make in India“-Kampagne will die Regierung den Bau von Industriezentren, Sonderzonen (sog. Chemieparks) und Megaclustern sowie Raffinerien vorantreiben. Ausländische Direktinvestitionen von bis zu 100 Prozent über das beschleunigte Verfahren sind erlaubt. Die Implementierung der meisten Projekte verzögert sich jedoch wegen Schwierigkeiten bei der Landakquisition, dem Aufbau der notwendigen Infrastruktur und der Verfügbarkeit von Rohstoffen.

Energiewirtschaft

Indiens Elektrizitätserzeugung ist von April bis Dezember 2018 real um 6,4 Prozent gegenüber 5,1 Prozent im Vorjahreszeitraum gestiegen. Mit rund 7 Prozent soll es weitergehen, schätzen Analysten. Entsprechend muss der Kraftwerkssektor wachsen, sah aber im Wirtschaftsjahr 2018/19 (1. April bis 30. März) mit 8,5 Gigawatt (GW) an erneuerbarer und 5,9 GW an konventioneller Energie weniger Zuwachs als im Vorjahr (11,5 GW und 9,5 GW). Nachdem Indien nahezu 100 Prozent Elektrifizierung erreicht hat, geht es nun darum, Erzeugung, Verteilung und Verbrauch effizienter und umweltverträglicher zu gestalten. So will die Regierung beispielsweise, dass die wachsende Solarkraft in den indischen Haushalten zum Kochen genutzt wird, um das Kerosin zu ersetzen.

Bauwirtschaft
Wachstumstreiber war bislang der staatliche Infrastrukturbau. Hierbei schien die indische Regierung vor den Parlamentswahlen im Frühjahr 2019 einen Endspurt eingelegt zu haben. Mit welcher Geschwindigkeit es beim Straßen-, Eisenbahn-, Flug- und Seehafenbau weitergehen wird, hängt von den Plänen der wiedergewählten Regierung ab. Der Bedarf ist jedenfalls immer noch immens. Auch im Wohnungsbau – getrieben von der zunehmenden Verstädterung – geht es weiter aufwärts. Die Bauwirtschaft zog 2018/19 real um schätzungsweise 8,9 Prozent gegenüber 5,6Prozent im Vorjahr an.

Gesundheitssektor
Von den geschätzten 147,9 Mrd. USD, die 2018 für Gesundheitsversorgung ausgegeben wurden, entfallen gerade einmal 31,6 Prozent auf staatliche Ausgaben. Die Patienten tragen den Großteil (68,4 Prozent) der Kosten selbst. Nur ca. 5 bis 10 Prozent der indischen Bevölkerung sollen versichert sein. Das größte staatlich finanzierte Gesundheitsfürsorgeprogramm der Welt soll das ändern. Für ca. 500 Millionen hilfsbedürftige Menschen sollen Gesundheitskosten von bis zu umgerechnet 7.600 Euro im Jahr für Krankenhausbesuche übernommen werden. Bisher wurden 27 Millionen Personen im Rahmen des Programms registriert.

Nahrungsmittelindustrie

Die indische Regierung hat den Ausbau der Nahrungsmittelverarbeitungsindustrie zur Priorität erklärt und will in den kommenden Jahren umgerechnet rund 827 Mio. USD in den Sektor investieren. Zu den größten Projekten gehören der Ausbau von Clustern für die Nahrungsmittelindustrie, die sogenannten Mega Food Parks, sowie der Ausbau der Kühllagerlogistik. Hieraus ergeben sich zahlreiche Investitionsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen, da ausländisches Know-how besonders gefragt ist. Die Lebensmittelbranche spielt eine wesentliche Rolle, da sie als Bindeglied zwischen der Landwirtschaft und der Industrie fungiert. Schätzungsweise 70 Prozent der indischen Bevölkerung beziehen ihr Einkommen aus der Landwirtschaft.

Textilindustrie

Indiens Ausfuhr an Textilien und Bekleidung scheint sich 2018/19 um 3 Prozent verringert zu haben, wenn sich der Trend der ersten zehn Monate fortgesetzt hat. Unter derselben Annahme dürfte die Einfuhr von Textilmaschinen um 10 Prozent geschrumpft sein. Im Vorjahr hatte sie noch um 16 Prozent zugelegt. Der Dachverband der indischen Industrie- und Handelskammern attestiert der Branche jedoch starke Wachstumserwartungen und sah die Kapazitätsauslastung von Oktober bis Dezember 2018 bei 80 Prozent.

Kfz-Industrie

Die indische Automobilindustrie hat im Finanzjahr 2018/19 ein Absatzplus von gerade einmal 5,2 Prozent verbucht. Bankenkrise, steigende Rohölpreisen, höhere Importe auf Kfz-Teile und Stahl sowie höhere Unterhaltskosten (Anstieg von Versicherungsprämien im Jahr 2018) bremsten das Wachstum. Auch die mittelfristigen Aussichten sind zurückhaltend: Neue Abgasvorschriften, die am 1. 4.2020 in Kraft treten, sorgen für Verunsicherung. Die langfristigen Aussichten bleiben jedoch positiv: Die Branche wird von den steigenden Einkommen, der wachsenden Mittelschicht und der bisher geringen Motorisierung profitieren.

Informations- und Kommunikationswirtschaft
Trotz globaler wirtschaftlicher Turbulenzen hat sich die indische IT-Branche im Finanzjahr 2018/19 behaupten können. Sowohl die Informationstechnologie wie auch das Business Process Management werden dem Fachverband National Association of Software and Services Companies (Nasscom) zufolge einen Gesamtumsatz von 182 Mrd. USD erzielen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Wachstumsrate von 9 Prozent. Positiv sieht Nasscom auch die weitere Entwicklung. Damit die Branche allerdings weiterhin konkurrenzfähig bleibt, sind Investitionen in Neuentwicklungen und Innovationen erforderlich.

Umweltschutz

Indien leidet unter extremer Luftverschmutzung. Gewässer sind hochgradig belastet. Eine Abfallentsorgung erfolgt nur rudimentär. Ausländisches Know-how könnte helfen, günstige Lösungen sind gefragt. Leuchtturmvorhaben wie die Errichtung von 100 Smart Cities, die Sanierung des Ganges mit Hilfe der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Umweltprogramme internationaler Geber bieten Chancen. Auch Industriebetriebe investieren stärker in vorschriftsmäßige Umwelttechnik.

Quelle: Online-Anwendung "Export Plus", Reguvis Fachmedien GmbH, Köln

 

 



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