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07.04.2021

Geschäftschancen für deutsche Unternehmen in Estland

Von: C. Isken/Redaktion

Der Markt Estlands ist zwar nicht groß, doch kann das Land als politisch stabile Handelsdrehscheibe in Nordosteuropa punkten. In folgenden Branchen des Landes haben hiesige Firmen gute Geschäftschancen.

Zunächst ist zu berücksichtigen, dass Markt- und Arbeitskraftkapazitäten in den baltischen Ländern generell und damit auch in Lettland begrenzt sind – in etwa vergleichbar mit denen kleiner deutscher Bundesländer.

Exporteure und Investoren können jedoch davon profitieren, dass die Märkte übersichtlich sind und ihre Wirtschaftsentwicklung dynamisch ist. Unter den Branchen gibt es einige Favoriten, weil sich diese nach der politischen Wende gut etabliert haben oder noch immer einen hohen Nachholbedarf aufweisen. Zu diesen gehören u. a. die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, Holzindustrie, Elektronikindustrie, Umwelttechnik sowie ebenfalls die Medizintechnik. 

– Bauwirtschaft und Infrastruktur

In der estnischen Baubranche haben neue Anforderungen an Energieeffizienz sowie steigende Löhne und höhere Energiekosten den Wettbewerbsdruck erhöht.

Nach Prognosen des Branchenverbands dürften 2020 die Bauaktivitäten rückläufig gewesen sein, nachdem bereits 2019 der gewerbliche Bau – speziell Industriegebäude und Einkaufszentren – stagniert hatte.

Wachstumsmotor sind dagegen Wohnungs- und Infrastrukturbau. So werden vor allem deutschen Unternehmen gute Chancen eingeräumt beim Schienenprojekt „Rail Baltica“, mit dem die drei baltischen Staaten bis 2026 an das westeuropäische Schienennetz angeschlossen werden sollen. Für das Großprojekt steht eine 85 %ige Kofinanzierung von der EU zur Verfügung. Nach Angaben der Trägergesellschaft RB Rail AS, einem Joint Venture der drei baltischen Staaten, fließen voraussichtlich über die Hälfte der Aufträge an ausländische Unternehmen. Die estnischen Investitionen in die Eisenbahnverbindung Warschau–Kaunas–Riga–Tallinn belaufen sich auf rund 1,6 Mrd. Euro. Der estnische Staat hat insgesamt für den Straßenbau in den Jahren 2021 und 2022 etwa 250 Mio. Euro angesetzt.

Das Großprojekt eines Tunnels zwischen Estland und Finnland (Helsinki-Tallinn-Tunnel) hat Investoren aus Nah- und Fernost erhalten: 15 Mrd. Euro aus China und weitere Mittel aus dem Emirat Abu Dubai. Die Projektkosten werden insgesamt auf eine Größenordnung zwischen 15 und 20 Mrd. Euro veranschlagt. Dem Vorhaben kommt vor allem eine erhebliche geopolitische Bedeutung zu, da die Nordostpassage zwischen Nordeuropa und Asien den Lieferweg im Warenverkehr um rund 40 % verkürzen würde.

– Land- und Forstwirtschaft

In der Landwirtschaft gibt es eine stabile Nachfrage nach Landtechnik, weil vor allem viele Biobauern ihre Betriebe modernisieren. Estland hat in der EU nach Österreich und Schweden den größten Anteil an Biobauern in der Agrarproduktion. Einen hohen Bedarf an Verpackungstechnologien hat ferner die exportstarke Milchindustrie. Nach Informationen der GTAI plant die Molkerei E-Piim den Bau eines neuen Betriebs für 90 Mio. Euro. Auch die Holz- und Möbelindustrie ist exportorientiert und benötigt für ihre Produktion viele Maschinen aus dem Ausland. Dies ist eine Chance auch für deutsche Maschinenhersteller. 

– Elektronikindustrie

Mit über 230 Unternehmen und 12.000 Beschäftigten ist die Elektronikindustrie eine der größten Industriebranchen Estlands und trägt einen signifikanten Teil zum Sozialprodukt sowie zum nationalen Exportvolumen bei. Rund drei Viertel der Branchenumsätze entfallen auf die Herstellung von PCs sowie Elektronikausrüstungen und optische Geräte, während der Rest die Produktion von Elektroausrüstungen umfasst. Die starke Position der Branche ist nicht zuletzt auf das Engagement ausländischer, vor allem skandinavischer Investoren zurückzuführen, an der Spitze der schwedische Ericsson-Konzern, dessen estnische Tochtergesellschaft in Tallinn u. a. Server herstellt. 

– Informations- und Kommunikationstechnik

Bei der Digitalisierung der Wirtschaft ist Estland ein Vorreiter in der EU und sogar weltweit. Mit Technologie des estnischen Unternehmens Cleveron haben z. B. Walmart aus den USA oder Zara in Europa, auch in Hamburg, ihre Paketzustellung beschleunigt.

Estland ist schon seit Jahren eine digitale Gesellschaft – wofür das Markenzeichen „e-Estonia“ steht. Der Internetzugang gehört in Estland tatsächlich zu den Grundrechten. Die Entwicklung nahm bereits mit der endgültigen Unabhängigkeit 1991 ihren Anfang. Vor allem die digitale Verwaltung setzt Maßstäbe: Inzwischen bietet der estnische Staat seinen Bürgern rund 600 und seinen Unternehmen sogar 2.400 verschiedene E-Dienste an.

Sogar bei Parlamentswahlen kann schon seit Jahren digital gewählt werden. Selbst Ausländer können sich in Estland eine e-Residency genannte ID-Karte ausstellen lassen und damit eine staatlich garantierte digitale Identität erhalten, um zahlreiche E-Government-Dienste aus dem Ausland nutzen zu können. Entsprechend bietet die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) in Estland hohe Technikstandards. Es wird in diesem Sektor auch relativ viel Geld für Forschung ausgegeben. In der IT- und Kommunikationsausrüstung gibt es auch Chancen für ausländische Zulieferer. 

– Dienstleistungen

Der Dienstleistungssektor, insbesondere in den Branchen Logistik, Finanzen und Tourismus, trägt inzwischen rund zwei Drittel zum BIP der baltischen Staaten bei. Der Güterumschlag in den estnischen Häfen wächst stetig. Der florierende Handel benötigt damit immer mehr Lagerflächen auch im Blick auf den Transithandel mit Nachbarstaaten. Der Passagierverkehr mit Finnland und Schweden ist ebenfalls stark wachsend. Aber auch in anderen Dienstleistungsbereichen gibt es eine erhöhte Nachfrage, etwa bei Architekten- und Ingenieursdienstleistungen, Unternehmensberatung oder juristischen Dienstleistungen. Allein in diesen Segmenten sind in Estland mehr als 5.000 Unternehmen tätig. Deutsche Unternehmen, die weltweit zu den größten Exporteuren von Dienstleistungen zählen, haben hier noch nicht alle ihre Chancen genutzt.

Tipp: Das europäische Informationsportal 21 bietet umfassende Informationen zu Dienstleistungen in Europa. Hier können Sie online nachlesen, was Sie bei Aufnahme und Ausübung von Dienstleistungen in Estland beachten sollten, auch etwa hinsichtlich Registrierungserfordernissen oder Versicherungspflichten.

Mehr über Estland erfahren Sie in der Online-Anwendung Export Plus.

Quelle: Online-Anwendung Export Plus, Reguvis Fachmedien GmbH, Köln



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