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17.11.2020

Chancen im US-Markt für deutsche Unternehmen

Von: C. Isken/Redaktion

Außerhalb der EU gelten die USA trotz Corona-Krise weiterhin als wichtigster Schlüsselmarkt für Deutschland. Industrieunternehmen hierzulande bietet der US-Markt gute Geschäftschancen. Sie müssen jedoch zahlreichen Besonderheiten dieses Marktes beachten.

Bei hochwertigen Investitionsgütern greifen US-Firmen schon seit vielen Jahren bevorzugt auf deutsche Produkte zurück, denn Made in Germany besitzt traditionell in den USA einen guten Ruf. Zwar werden bei öffentlichen Aufträgen US-amerikanische Firmen bevorzugt, doch können bei Zulieferungen durchaus ausländische Firmen zum Zug kommen, etwa beim Ausbau des Breitbandnetzes. Eventuell sollte man Spezialisten dafür beauftragen, sich um die komplexen Vergabeprozesse zu kümmern.

Allerdings hat sich das Industriewachstum schon vor der Pandemie im Lauf des Jahres 2019 abgeschwächt. Inzwischen ist im Zuge der Corona-Krise die Nachfrage nach Investitions- und Konsumgütern auf breiter Front eingebrochen. Dagegen gibt es einige Branchen, die besonders von der Pandemie profitieren, wie vor allem medizinische Geräte und Zubehör, und hierbei speziell Schutzausrüstungen. Die Food and Drug Administration (FDA) hat zur Vermeidung von Lieferengpässen im April und Mai 2020 zahlreiche Sondergenehmigungen für besonders dringend benötigte medizinische Erzeugnisse ausgestellt.

Tipp: Informationen zu den einzelnen Maßnahmen und Sonderregelungen der FDA im Rahmen der Corona-Krise sind erhältlich über die GTAI.

Erneuerbare Energien

Das Energiebewusstsein der US-Amerikaner hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Dafür haben u. a. auch die neuen Energiegesetze der Obama-Regierung gesorgt, die mit Steuergutschriften und sonstigen Förderanreizen die Energieeffizienz und den Anteil erneuerbarer Energie auf insgesamt rund 10 Prozent erhöht haben. Die natürlichen Voraussetzungen zur effizienten Gewinnung von Wind- und Solarenergie sind im Land reichlich vorhanden. Allerdings gibt es kein nationales Einspeisegesetz für Strom aus erneuerbaren Energien. Doch gibt es Gesamtziele wie etwa, dass bis 2025 auf Bundesebene 25 Prozent der Energie aus erneuerbaren Energien erzeugt werden sollen. In den einzelnen Bundesstaaten gibt es unterschiedliche Ziele für den jeweiligen Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung. Sowohl bei Windkraft als auch bei Solaranlagen bleibt der langfristige Wachstumstrend sehr positiv.

Diese Trends und die Größe des Marktes eröffnen auch deutschen Unternehmen gute Chancen, vor allem im Zulieferbereich. Die Voraussetzungen – auch was spezielle Förderung betrifft – sind in den 50 Bundesstaaten allerdings unterschiedlich. Besonders nachgefragt wird derzeit u. a. Offshore-Windtechnik.

Tipp: Das Bundeswirtschaftsministerium organisiert im Rahmen der Exportinitiative Erneuerbare Energien regelmäßig Geschäftsreisen in die USA. Diese Geschäftsreisen sind oft schnell ausgebucht. Deshalb sollten Sie sich über solche Gelegenheiten immer wieder auf der Website des BMWi informieren. Auf dem Internet-Portal der Exportinitiative www.german-energy-solutions.de können Unternehmen auf einer speziellen Datenbank ihre Produkte und Dienstleistungen einstellen.

Zu empfehlen ist auch ein Besuch der jährlich stattfindenden Fachmesse Intersolar North America in San Francisco, deren Themenschwerpunkt die Photovoltaik ist, sowie der Cleanpower Expo, einer Fachveranstaltung mit Ausstellung in Indianapolis 2021.

Von der GTAI liegt eine Marktanalyse aus der Reihe Branche kompakt zur Windenergie unter vor.

Kfz-Industrie

Die Nachfrage nach Pkw in den USA verzeichnet seit einigen Jahren auf hohem Niveau einen tendenziell abnehmenden Trend. Nach vorliegenden Expertenanalysen werden erst ab 2022 wieder leichte Steigerungen erwartet. Ausländische Autobauer wie die deutschen Hersteller müssen sich auf verschärfte Auflagen zum vorgeschriebenen local content ab 2023 einstellen, der dann 75 Prozent statt bisher 62,5 Prozent betragen muss. Dies orientiert sich an dem neuen Handelsabkommen zwischen den USA und den Nachbarländern Mexiko und Kanada (USMCA). Eine weitere Vorschrift wird zukünftig sein, mehr Komponenten in Regionen mit höherem Mindestlohn (16 USD) zu fertigen.

Der Ruf deutscher Autobauer hatte durch die Aufdeckung des Abgasskandals mit Verwendung von Betrugssoftware und die daraus resultierenden enormen Schadensersatzleistungen in den USA deutlich gelitten und ab 2015 mehrere Jahre lang für starke Umsatzeinbußen auf dem amerikanischen Markt gesorgt. Diese Flaute war erst 2019 mit wieder steigenden Verkaufszahlen überwunden. Deutsche Autofirmen wie Daimler, BMW und VW hatten in den Jahren vor dem Abgasskandal ihre Produktionskapazitäten im Südosten der USA weiter ausgebaut. Immer mehr Zulieferfirmen haben sich in deren Umfeld wie auch dem von Produktionsstätten anderer Firmen angesiedelt. Da die Fertigungstiefe der Autohersteller immer weiter abnimmt, werden die Zulieferer auch immer wichtiger. Von diesen wird verstärkt mehr Flexibilität verlangt. In Zukunft werden mehr Investitionen erforderlich, um den Vorsprung der Amerikaner in der Fahrzeugtechnologie aufzuholen. Immer mehr US-Konzerne investieren vor allem in die Elektromobilität. Außerdem fließen hohe Fördergelder in mehreren US-Bundesstaaten in die Entwicklung und Erprobung von Technologien für autonome Fahrzeuge.

Tipp: Auf der Kfz-Messe SAE World Congress (Termin April 2021) in Detroit, dem Mekka aller Automobilingenieure in der Welt, zeigen auch deutsche Hersteller regelmäßig, dass sie zu den wichtigsten Anbietern gehören. Unter den Ausstellern sind immer auch deutsche mittelständische Komponentenzulieferer, Maschinenbauer oder Softwareanbieter zu finden, u. a. viele Jahre lang die bayerische ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH oder die Kienle + Spiess GmbH aus Sachsenhausen sowie zuletzt 2019 die US-Niederlassung von Baier & Michels. Näheres siehe unter: www.sae.org/congress.

Von der GTAI liegt im Rahmen der Reihe „Branche kompakt“ auch eine aktuelle Analyse zum US-Kfz-Markt vor.

Maschinenbau

Für die deutschen Maschinenbauer ist der US-Markt schon seit vielen Jahren der wichtigste Exportmarkt. Vor allem hochwertige innovative Produkte sind bei den Amerikanern gefragt. Steigende US-Exporte tragen ebenso dazu bei, dass mehr Maschinen produziert und geordert werden. Einige Sparten profitieren zusätzlich von Sonderentwicklungen, etwa Werkzeugmaschinen von der Automobilbranche, Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen von der Lebensmittelbranche.

Deutsche Maschinen haben in den Vereinigten Staaten generell einen guten Ruf. In mehreren Sparten sind die Deutschen deshalb die wichtigsten Lieferanten. Da besonders immer mehr Hightech-Maschinen nachgefragt werden, steigen die Geschäftschancen für deutsche Hersteller mit ihren Qualitätsprodukten. Ähnlich wie in der Kfz-Branche sollte allerdings besonders auf die japanische Konkurrenz geachtet werden. Deutsche Investoren waren 2019 besonders aktiv in den USA und nahmen noch vor Japan und Großbritannien mit 34 Vorhaben die Spitzenposition ein. Zu den Investoren gehören so bekannte Namen wie Festo, ThyssenKrupp, Mann+Hummel, Gerlach Maschinenbau, EBM-Papst und das EMUGE-Werk.

Tipp: Die wichtigste Maschinenbaumesse in den USA ist die IMTS (International Manufacturing Technology Show) in Chicago. Sie findet im Zweijahresturnus statt, 2020 wurde sie allerdings wegen Corona abgesagt. Rund 2.000 Aussteller zeigen dort regelmäßig den mehr als 100.000 Fachbesuchern aus über 100 Ländern neue Fertigungstechnologien sowie Dienstleistungen und Lösungen zur Automatisierung, zur besseren Steuerung, zur Wartung und Reinigung von Maschinen und -teilen sowie neue Softwareprodukte. Nähere Informationen siehe unter: www.imts.com.

Von der GTAI liegt im Rahmen der Serie „Branche kompakt“ eine aktuelle Marktanalyse zum US-Maschinenbau vor.

Informations- und Kommunikationstechnik

Der IKT-Markt der USA ist schon seit vielen Jahren weltweit der größte Ländermarkt. Wenn es in diesem Sektor etwas Neues gibt – und das kommt laufend vor –, dann kommt es meist aus den USA. Allein im IKT-Cluster Silicon Valley arbeiten mehr als 7.000 Firmen an Produkten und Leistungen im IKT-Bereich. Da können deutsche Firmen nicht nur versuchen, mitzumischen, sondern auch dazulernen, etwa was Produktivität, Kundennähe und Flexibilität angeht. Die IKT-Branche steht inzwischen zusammen mit dem Maschinen- und Anlagenbau an erster Stelle der deutschen Investoren in den USA. Die Geschäftschancen für Unternehmen aus dem EU-Raum hatten sich in den vergangenen Jahren verbessert, nachdem sich die Europäische Kommission mit der vorigen US-Regierung im Rahmen des Transatlantischen Wirtschaftsrats (TEC) auf zehn Kerngrundsätze für den Handel im IKT-Bereich geeinigt hatte. Danach stiegen auch die Exporte von deutschen IKT-Produkten in die USA (bis 2014 nach Angaben des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien – Bitkom auf über 1,5 Mrd. Euro).

Hinweis: Deutsche Firmen, die sich auf dem US-Markt behaupten wollen, sollten sich gut darauf vorbereiten. Hilfreiche Informationen und Kontaktadressen liefert der Beitrag hier.

Weitere Informationen erhalten Sie in dem Beitrag "USA - führende Industriemacht" von Inge Hackenbroch, auf der Online-Anwendung "Export Plus", Reguvis Fachmedien GmbH.

Quelle: Online-Anwendung "Export Plus", Reguvis Fachmedien GmbH, Köln

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