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24.04.2021

Erste Geschäftsreise nach Südafrika? Das sollten Sie wissen

Von: C. Isken/Redaktion

Europäer, die das erste Mal nach Südafrika reisen, sollten sich vorab gut über das Land informieren. Der Beitrag liefert wichtige Hinweise und Tipps für einen erfolgreichen Aufenthalt.

Wer als Europäer das erste Mal nach Südafrika fährt, wird sicherlich andere Erwartungen haben als jemand, der in ein europäisches Land reist oder auch in ein Land in Fernost oder Südamerika. Die als Newcomer einreisenden Besucher Südafrikas wissen in der Regel nicht viel vom Land. Bei vielen sind die Vorstellungen von Afrika nicht klar, sondern in etlichen Bereichen recht kontrovers. Die Berichterstattung der vergangenen Jahre über den Kontinent Afrika insgesamt wie auch über die besonders rasante Entwicklung in Südafrika ist vielfältig. 

Dies resultiert einmal aus der vielfältigen Berichterstattung der vergangenen Jahre über den Kontinent Afrika insgesamt wie auch über die besonders rasante Entwicklung in Südafrika. Leider sind die Geografiekenntnisse des durchschnittlichen Europäers über die Länder Afrikas nicht wesentlich besser als umgekehrt, und so passiert es eben oft, dass ein lokales Ereignis in der Republik Kongo oder im Senegal in unserer Vorstellung eben nicht auf dieses Land projiziert wahrgenommen wird, sondern auf „irgendwo in Afrika“. 

Südafrika hat dabei noch den Vorteil, dass sein Name schon die geografische Lage anzeigt, manche wissen auch noch etwas von Apartheid und Burenkriegen. Viele haben von Nelson Mandela gehört und stellen sich ansonsten das Land eher als einen großen Wildpark vor, in dem die Big Five zu bewundern sind. Die Verwirrung wird dann groß, wenn ein Fernsehbericht die hohe Kriminalität insbesondere in Johannesburg zeigt oder die stacheldrahtbewehrten Häuser der Weißen in Gauteng.

Der Großteil südafrikanischer Geschäftsleute, mit denen man auf Messen oder anderen Treffpunkten zusammentrifft, sind Weiße. Sie unterscheiden sich im Auftreten und Kleidung nicht von anderen Geschäftsleuten aus Europa, Amerika oder Australien. Ihr Englisch ist gepflegt und korrekt. Der südafrikanische businessman macht einen internationalen Eindruck, vielleicht etwas „britisch“.

Tatsächlich erfährt man rasch, dass die allermeisten recht genau wissen, wer ihre Vorfahren waren und wann sie ins Land gekommen sind. So sind die Weißen selbst in Südafrika eine Version der Rainbow Generation, denn die Vermischung von Weißen unterschiedlicher Nationalitäten ist hier besonders hoch. So ist man z. B. „zu einem Viertel Engländer, zu einem Achtel Niederländer, zu einem Achtel Norweger, zu einem Achtel Armenier usw.“ und fühlt sich dennoch als Südafrikaner und Europäer zugleich.

Viele Geschäftsleute und vor allem junge Leute besitzen heute zwei Pässe, einen südafrikanischen sowie einen europäischen, der ihnen ein einfacheres internationales Reisen und Aufenthalte im Ausland ermöglicht.

Wohnen und leben wie in Europa?

Obwohl die Wohngebiete und Shoppingcenter auf den ersten Blick einen sehr europäischen Eindruck machen, ist Südafrika kein Klein-Europa. Schnell fällt auf, dass es keine weißen Fußgänger gibt. Wer zu Fuß läuft, ist schwarz, wer weiß ist, fährt im Auto. Wer im Lkw am Steuer sitzt, ist manchmal weiß, wer auf der Ladefläche sitzt, liegt oder steht, ist immer schwarz.

Fast jede weiße Familie hat eine schwarze Reinigungskraft oder Haushälterin, ein schwarzes Kindermädchen oder einen schwarzen Gärtner oder alles zusammen. Weiße leben in der Regel in gepflegten Häusern, meist auch in weißen Wohngebieten, Schwarze meist in heruntergekommenen Wohngebieten, in Townships oder Gettos. Die scharfen Gegensätze werden hier und da etwas aufgelöst, eine kleine, aber wachsende schwarze Mittelschicht wohnt bereits in Gebieten der Weißen.

Diese Trennung der Wohn- und Lebensverhältnisse von einheimischer Mehrheit und zugewanderter Minderheit gibt es natürlich auch in Europa, vor allem in den Großstädten. Dennoch gibt es einen gravierenden Unterschied: In Südafrika sind es die – zum Teil allerdings schon vor Jahrhunderten – zugewanderten Weißen, die in der Minderheit sind, jedoch nicht in Gettos, sondern in privilegierten Wohngegenden leben. Für die meisten Europäer ist es zumindest gewöhnungsbedürftig, die mit Kameras bewachten Villen und Vorgärten zu sehen, den Stacheldraht und die von uniformierten Wächtern bedienten Verkehrsschranken vor den Häusern und Wohnanlagen.

Südafrikanische Businesspartner

Da die Geschäftssprache Englisch ist, gestaltet sich die Verständigung mit südafrikanischen Unternehmen sehr einfach. Die Mehrheit der Manager ist weiß und gut ausgebildet und hat in der Regel noch Verwandte und Freunde in Europa. Fast jeder hat Europa und Amerika bereist und kann sich auf internationalem Parkett sicher bewegen, manchmal besser als die Europäer selbst. Dem europäischen Geschäftspartner begegnet der Südafrikaner sehr offen und verbindlich, es gibt keine generellen Vorurteile.

Was der deutsche Geschäftspartner im Umgang mit Südafrikanern wissen sollte: Alle Südafrikaner – gleich welcher Herkunft – sind stolz auf ihr Land und auf das, was sie erreicht haben. Daher ist es für den ausländischen Gesprächspartner immer wichtig, Respekt zu zeigen. Empfehlenswert ist es auch, sich möglichst gut im Vorhinein über die besondere Geschichte Südafrikas zu informieren und sich im Gespräch interessiert zu zeigen. 

Geschäftsverhandlungen führen

Bei Geschäftsverhandlungen sollte vor allem der Gast aus Deutschland darauf vorbereitet sein, dass Termine häufiger verschoben werden können, und nicht unbedingt eine mit Deutschland vergleichbare „Effizienz“ in geschäftlichen Dingen erwarten. Auch in Südafrika gehen die „Uhren anders“, wie überall in Afrika. Auffallend ist, dass die weißen Geschäftsleute sich untereinander dann doch unterscheiden. Das gilt vor allem für die Nachfahren der Niederländer bzw. Buren, die sich selbst als „Afrikaaner“ bezeichnen, und der Briten. Spätestens bei den Verhandlungen merkt man das: auf der einen Seite ein mehr freundlich lockerer Stil, auf der anderen Seite ein freundlich reservierter Stil.

Bei Verhandlungen mit schwarzen Geschäftspartnern sollte man vor allem Geduld mitbringen. Oft endet das erste Meeting ohne Ergebnis. Die forsche, ergebnisorientierte deutsche Art ist jedenfalls nicht gefragt. Zu bedenken ist immer auch, dass in den politischen Entscheidungsgremien und inzwischen in immer mehr Unternehmensvorständen Schwarze sitzen. Blacks ist übrigens der gesellschaftlich korrekte Begriff für Südafrikaner.

Persönlicher Kontakt und Aufbau persönlicher Beziehungen sind auf jeden Fall wichtig, wobei die verschiedenen Hierarchiestufen zu beachten sind. Zum Essen wird häufig eingeladen, oft auch ins private, vor Überfällen geschützte Haus.

Beim Small Talk sollten problematische politische Themen vermieden werden. Sport, insbesondere Fußball und Golf, ist bei den meist sportbegeisterten Südafrikanern ein beliebtes Thema. Auch die Naturschönheiten und das Klima des Landes zu loben ist jederzeit angebracht. Nicht von ungefähr zieht es jedes Jahr immer mehr Touristen aus Europa, Asien und Amerika in das Hochland um Johannesburg und Pretoria, in die Enklaven Lesotho und Swaziland, an die weiten Strände am Indischen Ozean bei Durban und zum Tafelberg bei Kapstadt sowie zum Kap der Guten Hoffnung. Schon 2003 brachte die Tourismusbranche mehr Devisen nach Südafrika als der Goldhandel.

Praktische Informationen und Tipps

Der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft führt immer wieder Umfragen unter deutschen Unternehmen durch, die in den Ländern der SADC, deren wichtigstes Mitglied Südafrika ist, Geschäfte betreiben. Im Rahmen der SAFRI – Subsahara-Initiative der Deutschen Wirtschaft, die partnerschaftlich getragen wird vom Afrika-Verein, DIHK, BDI und BGA, wird jährlich der neue Wirtschaftsausblick der African Development Bank vorgestellt. Der jüngste African Economic Outlook kann im Internet auf Englisch heruntergeladen werden. 

Aktuelle Einreisebestimmungen

Aufgrund der anhaltenden Covid-19-Epidemie, von der Südafrika stark betroffen ist, gibt es Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr sowie Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens. Aufgrund der dort aufgetretenen Virus-Variante (Mutante) gilt Südafrika als Gebiet mit besonders hohem Infektionsrisiko. Bezüglich der Reisewarnung des deutschen Auswärtigen Amtes in Berlin und weiterer Informationen sollten grundsätzlich vor geplanten Reisen die Länderinformationen des Auswärtigen Amtes in Berlin eingeholt werden.

Nützliche Webadressen

in Deutschland:

in Südafrika:

  • Deutsche Vertretungen in Südafrika, Lesotho und Swasiland (German Missions in South Africa, Lesotho and Swaziland): 
www.southafrica.diplo.de
  • Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika (Southern African – German Chamber of Commerce and Industry) in Johannesburg: 
www.germanchamber.co.za
  • Südafrikanische Handelskammer – SACCI (South African Chamber of Commerce and Industry) 
www.sacci.org.za 
  • Southern African Development Community (SADC) – Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft – eine regionale Organisation zur wirtschaftlichen und politischen Integration im südlichen Afrika 
www.sadc.int
  • Southern African Customs Union (SACU) – Südafrikanische Zollunion – ein Zusammenschluss der Staaten Südafrika, Swasiland, Lesotho, Botswana und Namibia auf der Grundlage eines gemeinsamen Zollabkommens: 
www.sacu.int
  • South Africa Government Online – Regierung von Südafrika: 
www.gov.za 
  • Department of Trade and Industry (the dti) – Südafrikanisches Handels- und Industrieministerium 
www.thedti.gov.za 
  • Department of International Relations and Cooperation – Südafrikanisches Außenministerium 
www.dfa.gov.za 
  • Department of Finance – Südafrikanisches Finanzministerium: 
www.treasury.gov.za 
  • Statistics South Africa – Offizielles Statistikamt: 
www.statssa.gov.za 
  • South African Reserve Bank – Nationalbank: 
www.resbank.co.za 

Weitere wichtige Informationen zu Afrika enthält der Beitrag: „Südafrika – Tor zum Kontinent“ von Inge Hackenbroch, auf der Online-Anwendung Export Plus.

Quelle: Online-Anwendung Export Plus, Reguvis Fachmedien GmbH, Köln  



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