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30.05.2021

Aussichtsreiche Marktsektoren in Ägypten

Von: C. Isken/Redaktion

Die Importnachfrage Ägyptens ist generell hoch und stabil. Gute Chancen haben vor allem Maschinen Made in Germany in dem Markt, der auch zunehmende Investitionschancen bietet. In welchen Bereichen es sich für deutsche Unternehmen lohnt zu investieren, zeigt der Beitrag.

Deutsche Unternehmen sind jedoch überwiegend im Liefer- und Projektgeschäft tätig und nur vereinzelt als Investoren, zumeist mit Unterstützung der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Insgesamt hat die deutsche Industrie in Ägypten einen sehr guten Ruf, allerdings gilt der Markt als besonders preissensibel aufgrund der starken Konkurrenz vor allem aus China sowie der MENA-Region. Für einen erfolgreichen Markteintritt deutscher Firmen sind daher vor allem gute Finanzierungsangebote erforderlich, aber ebenso verlässlicher After-Sales-Service sowie die lokale Bereitstellung von Ersatzteilen. Außerdem sind Schulungsangebote für lokale Arbeitskräfte immer willkommen, wobei das Thema Berufsausbildung aufgrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Ägypten eine zunehmend größere Bedeutung erhält.

Erneuerbare Energien

Der Markt für Ausrüstungen im Sektor erneuerbare Energien ist ein Milliarden-Dollar-Geschäft, seit die ägyptische Regierung ihren langfristigen Strategieplan ISES – Integrated Sustainable Energy Strategy – herausgebracht hat. Danach soll bis 2022 der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung auf 20 Prozent, bis 2020 auf 22 Prozent und bis 2035 auf 42 Prozent gesteigert werden. Gegenwärtig belaufen sich die jährlichen Investitionen in erneuerbare Energien auf etwa 2,5 Mrd. USD, was Experten jedoch für noch zu niedrig halten, um die erklärten Ziele in dem Sektor zu erreichen.

Tipp
Von der GTAI liegt eine aktuelle Branchenuntersuchung aus der Reihe „Branche kompakt“ zur Solarindustrie in Ägypten vor.

Bauindustrie
Die Bauwirtschaft wächst seit rund 30 Jahren mit einer stetig zweistelligen Rate, lange um die 15 Prozent pro Jahr und zuletzt um 10 Prozent, Kennzeichen des anhaltenden Booms im Wohnungsbau und dem gewerblichen Bausektor. Aufgrund des weiterhin noch relativ hohen Bevölkerungswachstums (fast 2 Prozent) bleibt die Nachfrage nach neuer Infrastruktur in diesen Bereichen auch weiterhin hoch. Besondere Investitionsmöglichkeiten wurden von der ägyptischen Regierung für den Industriekomplex „Tenth of Ramadan City“ propagiert, eine der ersten und größten Satellitenstädte Ägyptens, u. a. mit einem regionalen Dienstleistungszentrum (Regional Services Center), einem Technologiezentrum (Knowledge City), einem Finanzzentrum (Central Money and Business Area) sowie einem Komplex mit Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, insgesamt über 2.000 Einzelvorhaben mit einem Investitionswert von über 1,6 Mrd. USD.

Erdölsektor

Ägypten ist Afrikas größter Ölproduzent außerhalb der Erdölorganisation OPEC sowie gleichzeitig der stärkste Verbraucher von Erdöl und -gas auf dem Kontinent. Allein Im Zeitraum von etwa 2014 bis 2017 wurden über 80 Explorations- und Produktionslizenzen vom ägyptischen Staat vergeben, mit vorgesehenen Investitionen um die 15,5 Mrd. USD für rund 230 neue Bohrstellen. Zusätzlich wurden mehrere Abkommen über Öl- und Gasexplorationen in den westlichen Wüstengebieten mit Gesamtinvestitionen von rund 80 Mio. USD unterzeichnet. Anfang 2021 wurden nach längeren Verhandlungen weitere neun neue Abkommen mit lokalen und internationalen Explorationsgesellschaften mit einem Investitionswert von rund 1 Mrd. USD unterzeichnet.

Medizinische Ausrüstungen
Das Gesundheitswesen steht im besonderen Fokus der ägyptischen Regierung, wobei die verbesserte Ausstattung mit medizinischen Geräten eine wichtige Rolle spielt. Seit 2015 werden sukzessive Pläne zur Errichtung von insgesamt 26 neuen Krankenhäusern umgesetzt. Die Regierung arbeitet ferner derzeit an der Umsetzung eines nationalen Krankenversicherungssystems (National Health Insurance Programme). Die noch bestehenden Hemmnisse für die Vermarktung von Medizingeräten betreffen vor allem langwierige Registrierungsprozesse und bislang noch mangelhaften Schutz geistiger Eigentumsrechte.
Tourismus

Der Touristiksektor trägt wesentlich zum ägyptischen Sozialprodukt bei als bedeutender Arbeitgeber und wichtige Devisenquelle. Für eine gewerbliche Unternehmung in diesem Sektor ist eine staatliche Lizenz erforderlich. Hierzu sollte eine auf das Gebiet spezialisierte Anwaltskanzlei oder ggf. auch die deutsche AHK (siehe unten Kapitel 8.3) eingeschaltet werden.

ICT
Die Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) zählt noch zu den emerging sectors in Ägypten. Positiv schneidet das Land hierbei bezüglich Sicherheit ab: Im Global Cybersecurity Index steht das Land inzwischen auf Rang 9 von über 190 bewerteten Staaten. Auf der Fachmesse 2017, Cairo ICT, wurde das erste in Ägypten hergestellte Smartphone eines zum Ministry of Communication gehörenden Unternehmens vorgestellt. Das Wachstum der ICT-Branche ist eines der höchsten in der ägyptischen Wirtschaft, mit über 15 Prozent im Fiskaljahr 2019/20 nach Angaben des zuständigen Ministeriums. Die Regierung will vor allem internationale ICT-Unternehmen durch Incentives zu Investitionen in Ägypten anregen.

Beispiel
Der führende deutsche Folienhersteller RKW aus dem pfälzischen Frankenthal produziert seit 2010 Kunststofffolien in seinem Betrieb in Kairo. Dies ist das erste Engagement der Firma als Alleingesellschafter in einem Entwicklungsland, unterstützt durch ein langfristiges Darlehen der KfW. Außerdem produziert das weltweit engagierte Baustoffunternehmen Knauf aus dem fränkischen Iphofen, das seit Jahrzehnten erfolgreich Projekte in Ägypten durchführt, seit 2015 im ägyptischen Suez Gipskartonplatten und Metallprofile.

Vertriebsstrukturen und -hilfen

Für den Aufbau erfolgreicher Geschäftsbeziehungen ist unbedingt die Zusammenarbeit mit einem gut vernetzten lokalen Handelsvertreter zu empfehlen, insbesondere wenn keine eigene Niederlassung vor Ort geplant ist. Für den Vertrieb von Investitionsgütern („B2B“) empfiehlt sich auf jeden Fall, den Kontakt mit einer Handelsorganisation oder einem geeigneten Vertreter zu suchen. Dieses Vorgehen hat folgende spezielle Vorteile:

  • Der Vertreter bringt viele Geschäftsbeziehungen schon mit, deren Aufbau ansonsten oft Jahre dauern kann.
  • Der Vertreter kennt den Markt und die Wettbewerbssituation.
  • Der Vertreter kennt nicht nur die wichtigen Zielkundengruppen, sondern auch die Ansprechpartner etwa in Ämtern und Behörden und kann auf kurzem Weg Probleme klären, was aus Deutschland oft nicht möglich oder zumindest sehr schwierig ist.

Handelsvertretungen übernehmen außer der Organisation des lokalen Vertriebs häufig auch die Rolle des Importeurs, wickeln das Importverfahren ab und übernehmen auch verantwortlich den wichtigen After-Sales-Service bzw. Kundendienst. Geeignet als Standort des Vertriebspartners ist vor allem die Hauptstadt Kairo.

Wie findet man den passenden Partner?

Hier kann die AHK Ägypten – Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer als Vermittler behilflich sein. Ansonsten gilt generell auch bei der Vertretersuche: Da in Ägypten wie der gesamten arabischen Welt Wert auf Beziehungen gelegt wird, ist es am besten, sich persönlich durchzufragen. Geeignete Plattformen hierfür sind Messen und Konferenzen, die überwiegend in Kairo stattfinden und von denen regelmäßig mehrere im Auslandsmesseprogramm der Bundesregierung gefördert werden.

Dabei muss man nicht unbedingt nur nach Vertretern Ausschau halten, oft erklären sich einheimische Industriefirmen auch bereit, zu ihrem eigenen Produktportfolio ein passendes fremdes mit aufzunehmen. Allerdings ist hier auch Vorsicht geboten, um nicht auf großartige Versprechungen hereinzufallen, die dann später nicht eingehalten werden. Daher sollte grundsätzlich vor dem Abschluss eines Handelsvertretervertrages nach Empfehlung von Landeskennern juristischer Beistand eingeholt werden.

Tipp
Bei der Suche nach geeigneten Vertretern können Internetportale helfen wie z. B. das deutsche Außenwirtschaftsportal iXPOS

Geschäfts- und Delegationsreisen

Eine kostengünstige Alternative, vor Ort und zu ersten Geschäftskontakten zu kommen, ist die Teilnahme an einer der von Zeit zu Zeit angebotenen Geschäfts- und Delegationsreisen einzelner Kammern oder von Wirtschaftsministerien der Länder und des Bundes, die bis zu 50 Prozent bezuschusst werden. Vor allem die Kooperationsbörsen und Unternehmertreffen, die vor Ort stattfinden, bieten sich dafür an.
Allgemeine Informationen dazu siehe in www.export-plus „Erkundung ausländischer Märkte durch Unternehmensreisen, Wirtschaftssymposien, Kooperationsbörsen und Firmenpools“.

Ausführliche Informationen über Ägypten erhalten Sie in dem Länderbericht „Ägypten – Sprungbrett nach Afrika“ von Inge Hackenbroch auf der Online-Anwendung „Export Plus“.

Quelle: Online-Anwendung „Export Plus“ Reguvis Fachmedien GmbH, Köln



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