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26.07.2020

Freihandelsabkommens zwischen der EU und Singapur – die Aussichten

Von: C. Isken/Redaktion

© istockphoto.de

Ende 2019 trat das Freihandelsabkommen (EUSFTA) zwischen der EU und Singapur in Kraft? Welche Perspektive bietet es? Wie wirkt sich die Corona-Krise darauf aus?

Ziel des Freihandelsabkommens ist es, ein neues Klima für die Entwicklung von Handel und Investitionen herzustellen. Das Abkommen soll dem Wortlaut nach die Bemühungen um regionale Wirtschaftsintegration ergänzen und fördern, die Wirtschafts-, Handels- und Investitionsbeziehungen im Einklang mit dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung in ihren wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Dimensionen stärken und Handel und Investitionen fördern. Berücksichtigt werden sollten dabei Ansprüche an Umwelt- und Arbeitsschutz sowie relevante international anerkannte Standards und Vereinbarungen. Ziel ist es zudem, den Lebensstandard in den beteiligten Ländern zu erhöhen, das Wirtschaftswachstum und die Stabilität zu fördern, neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen und den allgemeinen Wohlstand zu verbessern. Insgesamt soll das Abkommen einen erweiterten und sicheren Markt für Waren und Dienstleistungen schaffen und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf den globalen Märkten stärken. 

Wirtschaftliche Lage 

Tatsächlich hat sich das Fundament für den Handel zwischen der EU und Singapur seit Unterzeichnung des Abkommens deutlich verschlechtert. Wurde 2019 in dem südostasiatischen Stadtstaat noch ein Wachstum von 2,3 % erwartet, so gehen Beobachter aktuell von sehr viel geringeren Raten aus. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagte bereits Anfang 2020 für diesen Zeitraum nur noch ein Plus von 0,5 % voraus. Das Handels- und Industrieministerium und die Monetary Authority of Singapore (MAS) erwarten einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwischen 0,1 bis 1,0 %. Laut German trade and Invest (gtai) lagen die Wachstumsraten in den ersten drei Quartalen 2019, jeweils im Vergleich zum Vorjahresquartal, bei 1,1 %, 0,1 % und abermals 0,1 %. Das durchschnittliche Wachstum in den ersten neun Monaten betrug demnach 0,4 %. 

Als Grund für den Einbruch gibt gtai durch Handelskonflikte und protektionistische Tendenzen verursachte Unsicherheiten auf den Weltmärkten an. Tatsächlich ist Singapur als eine sehr offene Volkswirtschaft stark von den Tendenzen des globalen Handels abhängig, der Außenhandel ist die tragende Säule der Ökonomie. Gerade dort sieht der IWF jedoch ein Ende des hohen Wachstums. Der Stadtstaat wächst, so gtai, derzeit so langsam wie zuletzt während der globalen Finanzkrise 2008. 

Die aktuellen Entwicklungen rund um die Coronakrise könnten der Entwicklung einen weiteren, massiven Dämpfer verpassen. Der Premierminister von Singapur warnte, dass die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen des Ausbruchs des Coronavirus wahrscheinlich tiefer und länger dauern werden als die Finanzkrise von 2008. Der wirtschaftliche Schlag werde wahrscheinlich schwerwiegender sein als die globale Finanzkrise und auch über das Ende der Pandemie hinaus länger anhalten, sagte Lee Hsien Loong in einem Facebook-Beitrag. Er erwarte, dass die Pandemie wahrscheinlich mindestens dieses Jahr und möglicherweise länger dauern wird. 

Außenhandel 

Der Außenhandel Singapurs entwickelte sich 2018 sehr dynamisch. Sowohl bei Importen als auch bei Exporten wurden zweistellige Wachstumsraten verzeichnet. Der IWF erwartet für 2019 allerdings einen Rückgang der Einfuhren von 1,8 %. Das Land selbst hat seine Prognosen für non-oil domestic exports (Nichtöl-In- landsexporte, kurz Nodx) und den gesamten Warenhandel für dieses Jahr gesenkt, nachdem die wahrscheinlichen Auswirkungen des Coronavirus-Ausbruchs auf seine Handelspartner und niedrigere Öl- preise abgewogen wurden. 

Laut der Handelsagentur Enterprise Singapore (ESG) werden Nodx in diesem Jahr voraussichtlich zwischen minus 0,5 und 1,5 % liegen, was eine Herabstufung ihrer früheren Prognose von bis zu 2 % Wachstum bedeutet. Die ESG hat auch ihre Prognose für den gesamten Warenhandel in diesem Jahr auf das gleiche neue Sortiment wie Nodx revidiert. Der Ausbruch des Coronavirus könne die Wachstumsaussichten der betroffenen Länder dämpfen. Wenn Chinas Wachstum geringer ausfällt, wirke sich das auf die regionalen Volkswirtschaften aus, und zwar durch eine geringere Importnachfrage sowie durch Störungen der Lieferkette und eine Abschwächung der Verbraucher- und Geschäftsstimmung, ließ die ESG verlauten. 

Die Handelsagentur sagte auch, dass niedrigere Ölpreise den Ölhandel in Singapur in diesem Jahr voraussichtlich belasten werden. Die US-amerikanische Energy Information Administration prognostizierte für das erste Quartal dieses Jahres eine Abschwächung der weltweiten Nachfrage, was teilweise auf die Aus- wirkungen des Ausbruchs der Pandemie im Vergleich zu ihrer vorherigen Aktualisierung zurückzuführen ist. 

Vor dem Ausbruch des Virus verzeichneten Nodx im vierten Quartal des vergangenen Jahres einen langsameren Rückgang von 5,7 %, verglichen mit einem Rückgang von 9,6 % im Vorquartal aufgrund geringerer Rückgänge bei Elektronik- und Nichtelektroniklieferungen. Die Elektronikexporte gingen zwischen Oktober und Dezember um 20,4 % zurück, etwas weniger als im Vorquartal um 25 %. Die Nodx der Nichtelektronik ging zwischen Oktober und Dezember letzten Jahres leicht um 0,3 % zurück, nachdem sie im Vorquartal um 3,9 % zurück- gegangen waren. Saisonbereinigt stieg die Nodx zwischen Oktober und Dezem- ber gegenüber dem Vorquartal um 0,7 %, nach 1,3 % im Vorquartal aufgrund des Wachstums sowohl bei Nodx für Elek- tronik als auch für Nichtelektronik. Die ESG gab außerdem bekannt, dass Nodx im vergangenen Jahr gegenüber einer Vorausschätzung um 9,2 % geschrumpft sind. Dies ist die schlechteste Leistung seit 2009 und liegt deutlich unter dem Wachstum von 4,2 % im Jahr 2018. 

Die Elektroniklieferungen gingen im vergangenen Jahr um 22,5 % zurück, nach- dem sie 2018 um 5,5 % zurückgegangen waren. Die Exporte von Nichtelektronik gingen im vergangenen Jahr um 4,5 % zurück, nachdem sie 2018 um 8,2 % gestiegen waren. Die Exporte in fast alle Top-10-Märkte Singapurs waren im vergangenen Jahr rückläufig, mit Ausnahme der USA. Die größten Beiträge zum Rückgang leisteten Japan (minus 28,6 %), die Europäische Union (minus 11,4 %) und Hongkong (minus 16,6 %). Die Lieferungen nach China – Singapurs größtem Exportmarkt – gingen im vergangenen Jahr um 1 % zurück. 

Die Wirtschaftswissenschaftler Chua Hak Bin und Lee Ju Ye von Maybank Kim Eng sagten, dass der Rückgang der Nodx im letzten Monat teilweise auf weniger Arbeitstage zurückzuführen sei, da das chinesische Neujahr in den Januar dieses Jah- res fiel. Die Auswirkungen von Covid-19 spiegelten sich noch nicht in den Januar- Zahlen wider, da der Ausbruch gegen Ende des Monats erfolgte, fügten sie hinzu. Sie gingen davon aus, dass sich die Produktion und der Export in der zweiten Jahreshälfte erholen werden, wenn der Virusausbruch eingedämmt wird und die Regierungen beginnen, Quarantäne- und Grenzkontrollen abzuwickeln. 

Weitere Infos zum Thema liefert der Beitrag: "Singapur: Abkommen in schwierigen Zeiten" von Oliver Schulz, Reinbek, in: "AW-Prax (Außenwirtschaftliche Praxis)", Reguvis Fachmedien GmbH.

Quelle: Zeitschrift "AW-Prax (Außenwirtschaftliche Praxis)", Reguvis Fachmedien GmbH, Köln



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